Es gibt eine ganz eigene Form von Frust, die man nur in einer Sprache erlebt, die man schon gut spricht.

Am Anfang spürst du sie nie. Da wird dir alles verziehen: Du sagst le statt la, alle lächeln, und jemand hilft dir, den Satz zu Ende zu bringen.

Sie kommt erst viel später, meistens auf dem Heimweg.

Der Abend läuft noch einmal ab

Ein langer Abend auf Französisch. Essen mit Freunden, die du seit dreißig Jahren kennst. Du hast jedes Wort verstanden, und deine Witze kamen an.

Jetzt gehst du zum Auto, und im Kopf läuft alles weiter. Nicht, um es zu genießen, sondern weil du irgendwo in der Mitte des Abends nur das Zweitbeste gesagt hast.

Jemand hat etwas gesagt, dem du widersprechen wolltest. Mit einem einzigen Wort hättest du gern auf den Punkt gebracht, dass er nicht unrecht hat, sondern an der Sache vorbeiredet. Das Wort fehlte dir. Also hast du drumherum geredet: sechs Wörter, wo zwei gereicht hätten. Alle waren höflich. Das Gespräch ging weiter.

Zwanzig Minuten später kommt das Wort. Natürlich. Du hattest es zigmal gelesen. Es war nur nicht da, als du es gebraucht hast, und damit hattest du es in dem einzigen Sinn, der zählt, gar nicht.

Das ist kein Problem der Sprachbeherrschung

Jahrelang habe ich das falsch verstanden, und das hat mich sehr viel vergebliche Mühe gekostet.

Es ist nicht so, dass ich kein Französisch kann. Ich war 1986 ein halbes Jahr als Student in Paris, und seitdem fahre ich immer wieder hin, beruflich und im Urlaub. Manche meiner Freundschaften dort stammen noch aus diesem ersten Jahr.

Über die Jahre hat mich das Französische in Runden gebracht, in denen ich mich nie vermutet hätte: Frühstückstermine mit ehemaligen Premierministern und Bürgermeistern, Sitzungen in Ministerien, Begegnungen mit Menschen, die später zu prägenden Figuren der europäischen Bankenwelt wurden. Ich bin jedes Mal zurechtgekommen. Und aus ziemlich vielen dieser Runden bin ich herausgegangen und habe auf dem Weg zum Taxi das Gespräch noch einmal durchgespielt.

Das Problem liegt woanders. Es ist schwerer zu fassen und tut mehr weh, als eine Sprache schlicht nicht zu können.

Ab einem bestimmten Niveau sagst du nicht mehr, was du meinst, sondern was du kannst.

Du legst dir ein Repertoire verlässlicher Standardwendungen zu und wirst so gut darin, die Wörter zu umschiffen, die dir fehlen, dass es niemandem auffällt. Die meiste Zeit nicht einmal dir selbst.

Verloren geht dabei nicht das Verstehen, sondern die Genauigkeit und der Humor, die Fähigkeit, so scharf, so warm oder so witzig zu sein wie in deiner eigenen Sprache. Du wirst zu einer etwas flacheren Fassung deiner selbst, und das merkt niemand außer dir, um elf Uhr abends auf dem Weg zum Auto.

Zwischen dem, was du meinst, und dem, was du tatsächlich sagen kannst, klafft eine Lücke. Genau dort liegt dein eigentlicher Wortschatz.

Dreißig Jahre Suche

Seit den Anfängen des Internets suche ich nach etwas, das diese Lücke schließt.

Das hatte zum Teil mit meiner Arbeit zu tun. Im Hauptberuf bin ich Investor, und Produkte auseinanderzunehmen ist mein Tagesgeschäft: Du installierst das Ding, benutzt es eine Woche lang richtig, liest, worüber sich die Nutzer tatsächlich beschweren, statt dem Marketing zu glauben, und findest heraus, worauf die Firma wirklich setzt.

Also habe ich mir alles angesehen. Die berühmte grüne App. Die mit den Karteikarten. Die mit echten Muttersprachlern. Die, bei der man ins Handy spricht und gesagt bekommt, die Aussprache sei in Ordnung, obwohl man genau weiß, dass sie es nicht ist. Kurse, Wörterbücher, Browser-Erweiterungen, ein Regal voller Bücher.

Und jedes einzelne davon habe ich wieder weggelegt. Nicht, weil es schlechte Produkte wären: Einige sind ausgezeichnet für die Zielgruppe, für die sie gebaut wurden. Zu der gehörte ich nur nicht. Immer wieder bin ich auf dasselbe gestoßen:

Sie bringen dir ihre Wörter bei, nicht deine. Jeder Kurs ist ein Fremder, der sorgfältig rät, wie dein Leben aussieht. Am Anfang ist das genau richtig und später nutzlos.

Sie prüfen, ob du ein Wort erkennst, nicht, ob du es kannst. Vier Möglichkeiten auf dem Bildschirm, du tippst die richtige an, du kommst dir clever vor. Selbst eingefallen wäre dir das Wort nie, und genau das misst kaum ein Produkt.

Sie geben dir eine Übersetzung und nennen das Bedeutung. Wort links, Wort rechts. Aber doch lässt sich nicht übersetzen. Gemütlich auch nicht, und schon gar nicht mit „cosy“, wie dir jeder Deutsche bestätigen wird, der einen Winter in England verbracht hat. Versuche einmal, cheeky auf Deutsch zu sagen. Seine Bedeutung bekommt ein Wort erst im Satz.

Sie behandeln Erwachsene wie Kinder. Punkte, Abzeichen, Lernserien, ein Comic-Tier, das sichtbar von mir enttäuscht ist. Ich bin alt genug, dass mich niemand mit Tricks zu fünfzehn Minuten am Tag bringen muss.

Und die ernsthaften Werkzeuge sind ein Hobby für sich. Es gibt gute Programme für Tüftler, und wer sie liebt, liebt sie sehr. Aber eine einzige ordentliche Karte anzulegen, kostet fünfzehn Minuten: das Wort, den Zusammenhang, einen echten Satz, am besten noch eine Tonaufnahme. Also machst du es nicht.

Das Zehn-Sekunden-Problem

Der letzte Punkt ist der Kern der Sache, und ich habe Jahre gebraucht, um das klar zu sehen.

Die Wörter, die du wirklich brauchst, tauchen nie zu einem passenden Zeitpunkt auf. Sie erwischen dich in einer Besprechung, in einem Roman im Flugzeug, in einem Radiointerview um halb acht morgens, während du Kaffee machst. Dir bleiben zehn Sekunden Aufmerksamkeit, wenn überhaupt. Dauert das Festhalten länger, lässt du es bleiben.

Also ist das Wort weg. Und ein halbes Jahr später begegnest du ihm wieder und denkst: Dich kenne ich. Dich habe ich schon einmal nachgeschlagen.

Für le cas échéant gibt es ein völlig brauchbares deutsches Wort: gegebenenfalls. Ich habe den Ausdruck trotzdem dreimal in meinem Leben nachgeschlagen.

Dreimal. Das ist kein Gedächtnisproblem. Das ist ein Werkzeugproblem.

Wort Nummer fünftausend gehört dir

Den größten Teil dieser dreißig Jahre habe ich gebraucht, um zu verstehen, warum mir nichts auf dem Markt helfen konnte, obwohl ich den Hinweis die ganze Zeit vor Augen hatte.

Mein Französisch hatte ein ganz eigenes Profil. In manchen Situationen fühlte ich mich, als gehörte ich fast zur Familie. Eine Stunde später, in einer anderen Art von Gespräch, rang ich um Wörter, die ein Fünfzehnjähriger parat gehabt hätte. Dieselbe Sprache, dieselbe Person, oft derselbe Abend. Jahrelang hielt ich das für den Beweis, dass mein Französisch lückenhaft war und ich mehr lernen müsste. Aber das bedeutet es ganz und gar nicht.

Der Anfängerwortschatz ist allgemein. Der fortgeschrittene Wortschatz ist persönlich.

Die ersten tausend Wörter gehören allen: Brot, Wasser, Montag, danke, wo ist der Bahnhof. Sie sind für jeden Menschen dieselben, und deshalb kann eine einzige Firma hundert Millionen Lernende mit einer Liste bedienen. Das ist ein gutes Geschäft, und es hilft Millionen weiter.

Aber Wort Nummer fünftausend gehört dir allein.

Mein fünftausendstes französisches Wort und deines haben fast nichts gemeinsam. Meine fünftausend kommen aus der Finanzwelt, vom Wein und aus Diskussionen mit Freunden am Esstisch. Die einer Ärztin kommen von der Station. Eine britische Juristin in Frankfurt am Main hat völlig andere fünftausend.

Dein fortgeschrittener Wortschatz gleicht eher einem Fingerabdruck als einem Lehrplan, und seine Lücken tun es auch. Er ist dicht, wo du tief drinsteckst, und dünn, wo dein Leben noch nicht hingekommen ist. Deshalb kannst du dich in der einen Runde fühlen, als gehörtest du zur Familie, und in der nächsten wie ein Anfänger.

Das heißt: Kein Verlag, keine Schule und keine App kann diese Liste für dich schreiben. Nicht aus Faulheit, sondern weil sich so eine Liste nicht schreiben lässt. Es gibt keinen Kurs für die Wörter, die du wirklich brauchst, und es kann keinen geben.

Je nach Tagesform ist das deprimierend oder befreiend. Bei mir ist irgendwann ein Produkt daraus geworden.

Warum das bis vor Kurzem nicht ging

In den letzten fünfzehn dieser Jahre wusste ich genau, was ich wollte.

Ich begegne einem Wort und tippe es in zehn Sekunden ein, bevor der Moment vorbei ist. Zwei Sekunden später steht es in einem echten Satz: meine Sprachkombination, mein Niveau, ungefähr die Art Leben, die ich führe. Dann werde ich in der nächsten Woche danach abgefragt und in der Woche darauf wieder, bis das Wort wirklich meins ist.

Mehr wollte ich nicht, und genau das ließ sich nicht bauen. Warum, finde ich bis heute spannend.

Computer können seit Jahrzehnten übersetzen, zuerst schlecht, dann ganz ordentlich. Aber die Übersetzung war nie das Problem. Der Satz war das Problem.

Einen guten Beispielsatz für dein Wort zu schreiben, in deiner Sprachkombination, auf deinem Niveau, über die Dinge, über die du tatsächlich sprichst, war Handarbeit. Ein Verlag kann sich das für die tausend Wörter leisten, die alle brauchen. Für die viertausend Wörter, die nur du brauchst, konnte es sich nie jemand leisten.

Das hat sich vor etwa zwei Jahren geändert. Ganz leise.

Was Vokabulo eigentlich ist

Vokabulo hat keinen Kurs. Keine Lektionen, kein Einstufungstest, kein Kapitel drei über das Bestellen im Restaurant.

Das klingt nach einer Schwäche. Genau darum geht es.

Eingerichtet ist die App mit etwa vier Fingertipps: Du wählst deine Sprachen, legst dein erstes Wort an, und schon geht es los. Innerhalb einer Minute hast du etwas, das kein Lehrbuch je hätte drucken können, denn keines hat dich kennengelernt: einen Wortschatz, der nur aus der Sprache deines eigenen Lebens besteht. Und anders als ein Buch wird er mit jeder Woche besser, in der du ihn benutzt.

Bei null anfangen musst du aber nicht. Sets und Szenen geben dir ganze Wortgruppen aus Situationen, die Menschen wirklich erleben, sodass du die weißen Flecken deiner eigenen Welt an einem Nachmittag füllen kannst. Deine Wörter kommen zuerst, aber wenn du Anlauf nehmen willst, geht das jederzeit.

Vokabulo bewahrt deine Wörter auf: die, denen du in freier Wildbahn begegnet bist, an den Tagen, an denen es auf sie ankam. Es setzt jedes einzelne in einen echten Satz, damit du das Wort so lernst, wie du es benutzen wirst, und nicht als Hälfte eines Paares. Und es fragt dich die Wörter genau dann wieder ab, wenn du kurz davor bist, sie zu vergessen. Nur in diesem Moment bringt das etwas.

Tippe das Wort ein oder sag es einfach. Zehn Sekunden, so oder so, denn alles, was länger dauert, machst du nicht. Ich weiß das, weil ich es dreißig Jahre lang nicht gemacht habe.

Die Spracherkennung musste ausgezeichnet sein: gut genug für nasse Hände um halb acht morgens bei laufendem Radio, und genau für diesen Moment habe ich sie gebaut.

Ich habe die App Hunderte Male umgebaut, und dabei ging es fast nie ums Hinzufügen, sondern ums Weglassen. Jeder Bildschirm musste dieselbe Frage beantworten: Braucht ein Mensch das hier wirklich, an dieser Stelle, in diesem Moment? Wenn die Antwort kein klares Ja war, flog es raus. Das meiste, was ich gebaut habe, habe ich später gelöscht.

Übrig geblieben ist eine App, in der jede Schaltfläche genau dort sitzt, wo dein Daumen sie erwartet. Karg ist sie deshalb nicht. Es stecken viele stille Funktionen darin, die sich nicht aufdrängen. Du findest sie, indem du instinktiv nach etwas greifst und merkst, dass es längst da war.

Bei einem Werkzeug, das man zehn Sekunden lang benutzt, mehrmals am Tag, über Jahre, entscheidet diese Sorgfalt darüber, ob man es behält oder in der dritten Woche löscht.

Wer dann kam

Eines hat mich überrascht, und es überrascht mich immer noch.

Ich habe die App zuerst für mich gebaut. Dann habe ich sie veröffentlicht, und gekommen sind Briten, Amerikaner, Italiener und Franzosen, die hier in Deutschland leben.

Sie sprechen fließend und sind seit zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren im Land. Auf Deutsch führen sie Teams, ziehen Kinder groß und streiten mit dem Vermieter. Und immer noch stoßen sie auf Wörter, die ihnen nie jemand erklärt hat. Nur stehen sie damit jetzt allein da, weil auf diesem Niveau niemand mehr irgendwem etwas beibringt.

Das sind sehr viel mehr Menschen, als ich erwartet hatte.

Einer von ihnen ist ein Kollege von mir, ein hochintelligenter Mann, den ich sehr schätze.

Er ist vor zehn Jahren aus Indien nach Deutschland gekommen, hat hier studiert, ist nach München gezogen und mit der Zeit richtig bayerisch geworden: der Akzent, der Humor, das ganze Programm. Er hat inzwischen einen deutschen Pass. Nach jedem vernünftigen Maßstab ist er längst angekommen.

Dann hat er angefangen, Vokabulo zu benutzen, und mir etwas gesagt, das mir nachgeht. Ihn hat nicht beeindruckt, wie viel er lernte, sondern dass er auf einmal sah, wie viel er nicht wusste.

Wörter, die er hundertfach gehört hatte, in Besprechungen, beim Bäcker, im Radio, ohne je genau zu wissen, was sie bedeuten. Was er sich aus dem Zusammenhang ungefähr erschloss, reichte immer, um das Gespräch am Laufen zu halten, also hatte er nie nachgeschlagen.

Und Wendungen, die er jahrelang falsch benutzt hatte, weil ihn nie jemand korrigiert hatte.

Dieser letzte Punkt geht mir nicht aus dem Kopf. Einen Erwachsenen, der fließend spricht, korrigiert niemand. Es wäre unhöflich, es würde das Gespräch unterbrechen, und verstanden hatten ihn ohnehin alle. Also ließ man es, jedes Mal.

Sein Deutsch hatte aufgehört, besser zu werden, nicht weil es ihm gleichgültig geworden war, sondern weil alle um ihn herum zu höflich gewesen waren, um ihm irgendetwas zu sagen.

Mit Vokabulo hat er angefangen, seinen Wortschatz noch einmal deutlich zu erweitern.

Hier ist noch nicht Schluss

Ich kenne etliche Menschen, die ihr Leben in einer fremden Sprache führen, und bei vielen von ihnen tut sich darin seit Jahren nichts mehr.

Niemand sucht sich das aus. Du erreichst das Niveau, auf dem du mit allem klarkommst, mit dem Job, dem Vermieter, dem Arzt, dem Elternabend, und der Druck, der dich vorangeschoben hat, schaltet sich einfach ab. Du hast es dir bequem gemacht. Und genau da bleiben die meisten stehen.

Zehn Jahre später sprichst du noch genau das Deutsch von damals. Dasselbe Repertoire, dieselben Umwege, dieselbe etwas flachere Fassung deiner selbst.

Und niemandem fällt es auf. Nicht deinen Kollegen, nicht deinen Freunden und meistens nicht einmal dir. Erst an so einem Abend auf dem Weg zum Auto.

Für diese Menschen habe ich die App gemacht. Nicht für Anfänger: Um die kümmert sich eine ganze Industrie, und sie macht ihre Sache gut. Vokabulo ist für alle gedacht, die jeden Tag in einer fremden Sprache leben, seit Jahren nicht mehr merklich besser darin geworden sind und das sehr gerne ändern würden.

Denn die Alternative ist, dass du irgendwann mit fünfundvierzig oder fünfundfünfzig beschließt, besser als jetzt werde dein Französisch nicht mehr. Sich damit abzufinden, ist traurig. Und es stimmt auch nicht.

Die Lücke

In jeder Sprache gibt es einen Punkt, an dem das Lehren aufhört und das Lernen nicht.

Er kommt lange nach dem letzten Kurs, und niemand sagt dir Bescheid. Irgendwann merkst du einfach, dass du mit den Wörtern seit Jahren allein bist.

Nur für diese Lücke habe ich Vokabulo gebaut.

Wenn du diesen Heimweg kennst, auf dem dir das richtige Wort zwanzig Minuten zu spät einfällt, weißt du, was ich meine.


Das nächste Wort, das zu spät kommt, hältst du in zehn Sekunden fest, und diesmal bleibt es. Der Einstieg in Vokabulo ist kostenlos.