Die erste Woche im neuen Job läuft gut. Alle sind freundlich, die Einführungsfolien sind auf Englisch, jemand zeigt dir, wo es den guten Kaffee gibt. Dann stehen am Donnerstag vier Leute aus dem Team am Fenster, das Gespräch rutscht in die Landessprache, jemand sagt etwas Kurzes, alle lachen, und du lachst eine halbe Sekunde zu spät.

Niemand war unfreundlich, niemand hat dich absichtlich ausgeschlossen, und trotzdem ist in dieser halben Sekunde etwas passiert, das sich über ein Jahr hinweg summiert. Wenn ein Job im Ausland leise scheitert, gehört es zu den Gründen, über die am wenigsten geredet wird.

Das Wort beschreibt eine Grenze, keinen Menschen

Das deutsche Recht sagt es so nüchtern, wie ein Gesetz es nur sagen kann. § 2 Absatz 1 des Aufenthaltsgesetzes: „Ausländer ist jeder, der nicht Deutscher im Sinne des Artikels 116 Abs. 1 des Grundgesetzes ist.“ Mehr steht da nicht: kein einziges Merkmal der Person, nur eine Verneinung.

Das Alltagswort ist genauso gebaut. Das Ausland ist das Land außerhalb, und Ausländer ist, wer von dort kommt. Die romanischen Sprachen bauen ihr Wort aus anderem Material. Étranger, straniero, extranjero und estrangeiro gehen alle auf ein lateinisches Wort für „von außen“ zurück, das englische foreign auf eines für „vor der Tür“. Jedes dieser Wörter beschreibt eine Linie und keinen Menschen.

In einem Büro taugt diese Kategorie zu nichts. An der Kaffeemaschine sieht niemand deinen Aufenthaltstitel, am Schreibtisch nebenan ist er unsichtbar, und für fast alles, was dort passiert, spielt er ohnehin keine Rolle. Sichtbar ist allein der Satz, den du gerade gesagt hast.

Die Definition, die in einem Unternehmen tatsächlich gilt, ist deshalb nicht die juristische, sondern diese: Ausländer ist, wen ich nicht mühelos verstehe. Gegen die juristische kannst du nichts ausrichten, gegen diese schon.

Deine Kollegen hören Mühe und verbuchen sie als Zweifel

Was leicht aufzunehmen ist, gefällt besser. Das ist immer wieder gezeigt worden, an Bildern, an Wörtern, an Tönen. Wie leicht sich etwas verarbeiten lässt, schreiben wir stillschweigend der Sache gut, um die es gerade geht.

Bei gesprochener Sprache ist das nicht anders. In einem Experiment sollten Zuhörer beurteilen, ob vorgelesene Aussagen aus dem Allgemeinwissen stimmen. Gesprochen wurden sie mal mit, mal ohne fremden Akzent. Die Aussagen waren vorgegeben, Wissen und Ehrlichkeit der Sprecher standen also gar nicht zur Debatte. Den Stimmen mit Akzent wurde trotzdem weniger geglaubt.

Einer zweiten Gruppe sagte man vorher rundheraus, worum es in der Untersuchung ging. Wer vorgewarnt war, glich einen leichten Akzent vollständig aus, einen starken nicht.

Dieses Ergebnis verdient zwei Lesarten, denn davon hängt ab, wie du dein eigenes erstes Jahr deutest. Der Effekt trat bei Menschen auf, die sich ausdrücklich um Fairness bemühten. Die eigene Anstrengung beim Zuhören fühlt sich eben nicht nach Anstrengung an, sondern nach Zweifel, und der Zweifel landet am Ende beim Sprecher statt bei der Schwierigkeit.

Daneben steht etwas noch Gewöhnlicheres. In ein Gespräch über eine Sprachgrenze hinweg geht man mit einer kleinen, sehr konkreten Sorge: sich zu blamieren, missverstanden zu werden, das Falsche zu sagen. Am einfachsten entgeht man diesem Gefühl, indem man das Gespräch meidet. Genau das steckt oft hinter dem Kollegen, der im Aufzug herzlich ist und nie von sich aus ein längeres Gespräch anfängt.

Niemand muss dich ausschließen, damit du draußen stehst

Die Befunde aus den Unternehmen selbst sind konkret genug, um sie in einer Führungsrunde zu zitieren. Ein französisches Unternehmen etwa machte Englisch zur Arbeitssprache und wurde danach untersucht: Nicht-Muttersprachler verloren an Ansehen, und zwar unabhängig davon, wie gut ihr Englisch tatsächlich war. Die Anspannung hing nicht an der gemessenen Kompetenz, sondern daran, wie kompetent sich jemand fühlte. Und sie stieg nicht gleichmäßig an: Wer sich selbst in der Mitte einordnete, war angespannter als die, die sich ganz unten sahen.

Diesen Befund solltest du dir merken. Wenn sich die Sprache nach achtzehn Monaten schlechter anfühlt als nach dreien, fällst du nicht zurück, sondern stehst genau an der Stelle, an der es die meisten trifft.

Eine andere Untersuchung begleitete Softwareteams, die über mehrere Länder verteilt waren. Unterschiede im Sprachniveau brachten einen Riss ins Team, schädlich wurde er aber nur dort, wo ohnehin ein Kampf darüber lief, wer entscheidet. Sprache war der Blitzableiter, nicht das Gewitter.

Eine dritte gab der Szene am Fenster einen Namen: draußen zu stehen, nur weil gerade in einer anderen Sprache geredet wird, ganz ohne dass irgendwer etwas beabsichtigt. Wer das erlebte, löste sich innerlich häufiger von seinem Unternehmen, und mit dieser Distanz kamen weniger Hilfsbereitschaft und mehr Reibung. Am stärksten traf es die, die sozial ohnehin unsicher waren.

Auf die Reihenfolge kommt es an, denn so gerät eine Karriere ins Stocken, ohne dass irgendwer es beschlossen hätte. Jemand wird aus Versehen ausgeschlossen. Die Person zieht sich zurück, und der Rückzug wird als Haltung gelesen oder als Zeichen, dass sie nicht ins Team passt, und zwar von Leuten, die ihn nie mit dem Donnerstag am Fenster in Verbindung bringen.

Dass Sprache hier schwerer wiegt als jedes Organigramm, hat einen strukturellen Grund. Das offizielle Wissen einer Firma liegt tatsächlich in der offiziellen Sprache: im Handbuch, in den Folien, im Ticketsystem. Das Arbeitswissen liegt woanders. Wer wirklich entscheidet, welche Frist echt ist, worum es im Witz beim Daily ging, wen man fragt, wenn der Prozess klemmt: Das alles lebt im Flurfunk, in der Sprache, die dort gerade gesprochen wird.

Gegen das Unbehagen hilft keine Aufklärung, sondern Gewöhnung

Ginge das Unbehagen auf tiefe und feste Unterschiede zurück, wäre nichts davon zu reparieren. Die größte Datensammlung der Sozialpsychologie sagt etwas anderes.

Fasst man 515 Studien aus 38 Ländern und eine Viertelmillion Menschen zusammen, dann geht Kontakt zwischen Gruppen mit weniger Vorurteilen einher. Für die einzelne Beziehung ist der Effekt bescheiden, über die ganze Bandbreite der Situationen hinweg aber bemerkenswert beständig.

Bleibt die nützlichere Frage, wie dieser Kontakt eigentlich wirkt. Drei Erklärungen wurden geprüft. Am stärksten wirkte mit Abstand, dass die Anspannung nachlässt; an zweiter Stelle stand, die andere Seite verstehen zu können; Wissen über die andere Gruppe kam zuletzt, und zwar weit dahinter.

Das ist das Gegenteil der üblichen Annahme und deshalb ein kurzes Innehalten wert. Nicht Informationen über Ausländer beenden die Zurückhaltung, sondern die Gewöhnung: so viele gewöhnliche Begegnungen, bis eine Begegnung aufhört, sich riskant anzufühlen. Und im Berufsleben besteht eine solche Begegnung fast ausschließlich aus Reden.

Dasselbe Muster zeigt sich in Deutschland auch landesweit: Wo mehr Menschen ausländischer Herkunft wohnten, hatte die Mehrheitsbevölkerung weniger Vorurteile, und verantwortlich dafür war der Kontakt, nicht irgendein Gefühl von Bedrohung. Mehr Nachbarn bedeuteten mehr Gespräche, und mehr Gespräche bedeuteten weniger Angst.

Finanziell steht mehr auf dem Spiel, als die meisten vermuten

Die sauberste Zahl kommt aus der Schweiz. Geflüchtete werden dort den Kantonen zugewiesen, ohne Rücksicht darauf, wohin sie gern möchten, und zwischen der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz verläuft eine scharfe Sprachgrenze. Ob jemand die örtliche Sprache schon mitbrachte, entschied damit der Zufall, und näher kommt das wirkliche Leben an ein kontrolliertes Experiment kaum heran. Wer die Sprache konnte, war in den ersten fünf Jahren mehr als doppelt so oft in Arbeit.

Britische Befragungsdaten weisen in dieselbe Richtung: Mit guter Sprachbeherrschung lag die Beschäftigungsquote rund 15 bis 17 Prozentpunkte höher und der Verdienst um etwa ein Fünftel. Belastbar ist davon die Beschäftigungszahl. Die Verdienstzahl wackelt, sobald man einrechnet, wie grob die Sprachkenntnisse dort erhoben wurden; nimm sie als Richtung, nicht als Versprechen.

Eine niederländische Untersuchung schließlich verfolgte dieselben 1.800 Zugewanderten über mehrere Jahre. Sie fand nicht nur einen Zusammenhang zwischen Sprache und einheimischen Bekanntschaften, sondern auch eine Richtung: Die Sprache sagte voraus, dass der Kontakt mit der Zeit wächst.

Nebeneinandergelegt ergeben diese Befunde keine Liste, sondern einen Kreislauf. Sprache macht Kontakt möglich, Kontakt nimmt beiden Seiten die Anspannung, weniger Anspannung heißt mehr Kontakt, und mehr Kontakt heißt wieder mehr Sprache. Der Kreis dreht sich genauso leicht in die andere Richtung, und von innen sieht das dann aus wie ein erstes Jahr im Ausland, das einfach nicht in Gang kommt.

Lerne die Sprache, aber ziele auf das Richtige

Und zwar nicht, weil du irgendwem beweisen müsstest, dass du dazugehörst, sondern weil die Sprache die eine Stellschraube in diesem System ist, die du selbst in der Hand hältst und die auf alle Teile des Kreislaufs gleichzeitig wirkt.

Fünf Dinge solltest du vorher wissen.

1. Du lernst nicht „die Sprache“, du lernst die Version deiner Firma. Ein Arbeitswortschatz ist klein, dicht und wiederholt sich endlos: die Prozesse deines Teams, die Begriffe deiner Branche, die zwanzig Wendungen, mit denen eine Besprechung anfängt und aufhört, die drei Wörter, an denen du merkst, dass es wirklich eilt. Das lehrt kein Kurs, denn dieser Wortschatz gehört deinem Arbeitgeber und nicht der Sprache.

2. Ziele auf das Mittagessen, nicht auf den Bericht. Einen geschriebenen Bericht bekommst du mit Wörterbuch und genug Zeit hin. Small Talk, Unterbrechungen, Witze und das Klagen über das Wetter gelingen dir so nicht, und genau darin steckt die soziale Information. Gerade das trainieren Apps am wenigsten; mehr dazu in warum so viele beim Sprachenlernen per App scheitern.

3. Trainiere das Abrufen, nicht das Wiedererkennen. Ein Wort zu verstehen, wenn es jemand sagt, und es im laufenden Gespräch selbst zu benutzen, sind zwei verschiedene Fähigkeiten, und nur die zweite bringt dich in die Runde am Fenster.

4. Sprich, bevor du dich bereit fühlst. Die Anspannung wirkt in beide Richtungen, und auf beiden Seiten sinkt sie durch wiederholten gewöhnlichen Kontakt. Zu warten, bis die Grammatik vorzeigbar ist, verschiebt genau das, was dagegen hilft.

5. Rechne damit, dass sich die Mitte schlechter anfühlt als der Anfang. Am Anfang wird dir alles nachgesehen; in der Mitte verstehst du gerade genug, um zu merken, was dir alles entgeht. Das ist Fortschritt, der nur nicht danach aussieht, und genau hier steigen die meisten aus.

Die andere Seite hat den billigeren Hebel

Alles auf den Neuzugang abzuwälzen, wäre unredlich. Ein Team kann dieselbe Hürde fast umsonst senken: zurückwechseln, wenn jemand dazukommt, die Pointe in der gemeinsamen Sprache wiederholen, die letzten zwei Minuten in einem Satz zusammenfassen, statt „war nichts Wichtiges“ zu sagen. Es hilft auch, den Effekt einmal beim Namen zu nennen, denn Menschen korrigieren ihn durchaus, sobald sie von ihm wissen. Angst ist ein zweiseitiges Problem, und beide Seiten haben einen Hebel in der Hand.

Was Vokabulo dabei leisten kann und was nicht

Vokabulo ist für den ersten dieser fünf Punkte gebaut. Die Wörter kommen aus deiner eigenen Woche und nicht aus einem Lehrplan: der Begriff, den dein Team im Daily ständig benutzt, die Formulierung im Aushang des Betriebsrats, die du halb verstanden hast, der Satz beim Mittagessen, zu dem du genickt hast. Du speicherst das Wort mit dem Zusammenhang, in dem du ihm begegnet bist, und die verteilte Wiederholung holt es zurück, bevor es verloren geht. Antworten tippst du, statt sie aus einer Liste zu wählen, und Hinweise zum Tonfall sagen dir, ob etwas in die Nachricht an einen Kollegen gehört oder in die Mail an einen Kunden.

Das ist bewusst eine kleine Aufgabe. Vokabulo schult dein Ohr nicht auf vier Leute, die am Fenster durcheinanderreden, es besorgt dir keine Einladung zum Mittagessen, und es bringt dein Team nicht dazu, die Sprache zu wechseln. Das braucht Kontakt, Mut und jemanden im Team, der es merkt. Es kann aber dafür sorgen, dass der Wortschatz deines konkreten Arbeitslebens nicht länger der Grund ist, warum du schweigst.

Das Wort „Ausländer“ sagt, in jeder Sprache, die ein solches Wort hat, was jemand nicht ist. Die Sprache ist der Teil dieser Definition, den du von innen ändern kannst, und dabei ändert sich mehr als dein Gehalt.

Mehr zu den Wörtern selbst in deutschem Arbeitsplatzwortschatz und dem, was in einer Betriebsratssitzung wirklich passiert und in deutschen E-Mail-Formulierungen, die professionell klingen; warum sich all das ausgerechnet auf dem mittleren Niveau zuspitzt, steht in das Zwischenplateau durchbrechen.

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