Deutschland hat eine der eigenständigsten Bankkulturen in Europa. Bargeld wird weit häufiger genutzt als in den meisten anderen entwickelten Volkswirtschaften. Eine Lastschrift funktioniert nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Kontoinhabers. Zahlungen laufen über IBAN und BIC. Und der Kontoauszug ist kein Nebenprodukt, sondern ein Dokument, das Ämter und Vermieter tatsächlich sehen wollen.

Wenn du nach Deutschland gezogen bist, brauchst du ein deutsches Bankkonto – ohne eigene IBAN läuft hier fast kein Behörden- oder Finanzvorgang. Hier sind die Begriffe, die dabei auf dich zukommen.

Das ist die einsprachige Fassung: Jeder Begriff wird auf Deutsch erklärt, ohne Übersetzung – gedacht für Deutschlernende ab etwa B1. Wenn Deutsch deine Muttersprache ist, findest du denselben Artikel als Sprachpaar auf Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch.

Kontotypen

Girokonto – das Alltagskonto: hier kommt das Gehalt an, hiervon gehen Miete, Strom und Kartenzahlungen ab. „Giro" bedeutet Kreislauf – gemeint ist Geld, das durchläuft, nicht Geld, das liegen bleibt. Das ist der Unterschied zu allen folgenden Kontotypen, und wenn ein Formular in Deutschland nach deiner IBAN fragt, ist immer die des Girokontos gemeint.

Sparkonto – das klassische Konto zum Liegenlassen, früher mit Sparbuch. Für größere Beträge gilt oft eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Heute weitgehend vom Tagesgeldkonto verdrängt, weil das dieselben oder bessere Zinsen ohne Frist bietet.

Tagesgeldkonto – ein Sparkonto ohne jede Frist. „Täglich" bezieht sich nicht auf die Zinsen, sondern auf die Verfügbarkeit: du kommst jeden Tag an alles heran. Der Haken ist die fehlende Zahlungsfunktion – Geld kann nur auf das verknüpfte Girokonto zurückfließen, nicht direkt an Dritte. Es ist ein Parkplatz, kein Zahlungskonto.

Festgeldkonto – dasselbe Prinzip wie Tagesgeld, aber mit Sperre: du bindest den Betrag für eine feste Laufzeit, drei Monate bis mehrere Jahre, und kommst vorher nicht heran. Dafür ist der Zinssatz höher und über die ganze Laufzeit garantiert. „Fest" steht für die Bindung, „Tages-" für die Freiheit – an diesem Wortpaar hängt der gesamte Unterschied.

Gemeinschaftskonto – ein Konto mit zwei Inhabern, typisch für Paare und Wohngemeinschaften. Achte auf die Unterscheidung, die die Bank dir anbietet: beim Oder-Konto darf jeder allein verfügen, beim Und-Konto nur beide gemeinsam. Bei Paaren ist das Oder-Konto der Standard.

Geschäftskonto – das Konto für Firmen und Selbstständige. Der Unterschied ist nicht nur sprachlich: Freiberufler dürfen ihr privates Girokonto weiterbenutzen, eine GmbH braucht zwingend ein eigenes. Kostenlos ist so ein Konto praktisch nie.

Ein Konto eröffnen

Kontoeröffnung – der ganze Vorgang vom Antrag bis zur ersten Karte im Briefkasten. Rechne mit einer bis zwei Wochen. Karte und PIN kommen aus Sicherheitsgründen in getrennten Briefen, und der PIN-Brief sieht so unscheinbar aus, dass er erstaunlich oft im Altpapier landet.

Personalausweis / Reisepass – dein Ausweisdokument. Der Personalausweis ist die nationale Ausweiskarte; EU-Bürger legen ihre eigene vor, alle anderen den Reisepass. Ein Aufenthaltstitel ist kein Ersatz dafür, sondern ein zusätzliches Dokument.

Anmeldebestätigung / Meldebescheinigung – die Meldebestätigung vom Bürgeramt als Nachweis der deutschen Adresse. Die meisten Banken verlangen sie zur Kontoeröffnung. Daraus entsteht die klassische Klemme für neu Angekommene: du brauchst eine Adresse, um ein Bankkonto zu eröffnen, und oft ein Bankkonto, um eine Wohnung zu bekommen. Manche Banken, meist Online-Banken, verzichten auf die deutsche Adresse.

Kontoeröffnungsantrag – das Formular, mit dem du das Konto beantragst. Ein gutes Beispiel für ein deutsches Kompositum aus drei Teilen: lies es von hinten nach vorn, dann steht da „ein Antrag auf die Eröffnung eines Kontos". Das Grundwort steht immer am Ende und bestimmt, was die Sache eigentlich ist.

VideoIdent / PostIdent – Identifikationsverfahren. Viele deutsche Banken, vor allem Online-Banken (Direktbanken), verifizieren die Identität per Video-Call (VideoIdent) oder bei der Post (PostIdent), wo du deinen Reisepass einem Postmitarbeiter vorlegst.

IBANInternational Bank Account Number. Deutsche IBANs beginnen mit DE, gefolgt von einem 2-stelligen Prüfcode und 18 Ziffern. Diese Nummer gibst du für Gehaltseingänge, Lastschriften und Überweisungen an.

BIC / SWIFT-Code – der Bankidentifizierungscode, benötigt für internationale Überweisungen.

Der Kontoauszug

Kontoauszug – die Aufstellung aller Bewegungen auf dem Konto in einem Zeitraum. Du bekommst ihn elektronisch (Kontoauszug online) oder ziehst ihn am Kontoauszugsdrucker in der Filiale, einem Automaten, den es in Deutschland noch fast überall gibt. Vermieter und Ämter verlangen ihn oft als Nachweis – gemeint ist dann der offizielle Auszug, nicht ein Screenshot aus der App.

Kontonummer – die Nummer deines Kontos ohne Länder- und Bankkennung. Für Zahlungen im Inland ist sie durch die IBAN ersetzt, das Wort lebt aber weiter: wer dich nach der „Kontonummer" fragt, will in der Praxis die IBAN.

Saldo – der Kontostand zu einem bestimmten Zeitpunkt. Auf dem Auszug stehen immer zwei davon, der alte Saldo am Anfang und der neue Saldo am Ende des Zeitraums. Im Alltag sagt kaum jemand „Saldo" – gesprochen heißt es „Kontostand" oder einfach „Wie viel ist noch drauf?".

Gutschrift – jeder Betrag, der auf dem Konto eingeht: Gehalt, Erstattung, Rückzahlung. Das Gegenstück heißt Belastung. Nicht mit einem Gutschein verwechseln, der etwas ganz anderes ist: eine Gutschrift ist echtes Geld auf dem Konto.

Lastschrift – eine Zahlung, die der Empfänger von deinem Konto abbucht, nachdem du ihn dazu ermächtigt hast. Die Richtung ist der ganze Punkt: bei der Lastschrift zieht die andere Seite, bei der Überweisung schiebst du. Deshalb steht auf dem Auszug der Name der Firma und nicht deiner.

Überweisung – eine Zahlung, die du selbst auslöst: IBAN, Betrag, Verwendungszweck, fertig. Das Feld Verwendungszweck ist in Deutschland wichtiger als fast überall sonst – Vermieter, Ämter und Versicherungen ordnen dein Geld ausschließlich darüber zu, und eine Zahlung ohne die richtige Aktenzeichen- oder Mietnummer gilt schnell als nicht eingegangen.

Dauerauftrag – ein Auftrag an deine Bank, in festen Abständen denselben Betrag an denselben Empfänger zu überweisen, klassisch die Miete. Die Kontrolle bleibt bei dir: du legst ihn an, du änderst ihn, du löschst ihn. Genau darin unterscheidet er sich vom Einzugsauftrag, also der Lastschrift, bei der die Gegenseite die Höhe bestimmt und jederzeit anpassen kann. Für gleiche Beträge nimmst du deshalb den Dauerauftrag, für schwankende wie Strom oder Telefon die Lastschrift.

Kontoführungsgebühr – die monatliche Grundgebühr für das Konto. In Deutschland ist sie der Normalfall und nicht die Ausnahme: Filialbanken nehmen oft fünf bis zwölf Euro im Monat, Direktbanken häufig nichts. Achte auf die Klausel „bei monatlichem Geldeingang ab X Euro" – fällt das Gehalt weg, wird aus dem kostenlosen Konto ein kostenpflichtiges.

Zinsen – der Preis für geliehenes Geld, angegeben in Prozent pro Jahr. Das Wort existiert im Bankdeutsch nur im Plural; „ein Zins" sagt niemand. Die Richtung, in die sie fließen, hat zwei eigene Wörter:

Habenzinsen – die Zinsen, die die Bank dir zahlt, weil dein Konto im Plus steht. Nur in diese Richtung verdienst du etwas.

Sollzinsen – die Zinsen, die du der Bank zahlst, weil dein Konto im Minus steht. „Soll" und „Haben" kommen aus der Buchhaltung, und die Merkregel ist knapp: Haben ist gut für dich, Soll ist teuer.

Dispozinsen / Dispositionskredit – Überziehungszinsen und der Überziehungsrahmen. Deutsche Banken bieten typischerweise einen Dispositionskredit an, einen automatischen Überziehungsrahmen von meist einem bis drei Monatsgehältern. Die Zinssätze sind hoch, oft 8–14 % – nutze ihn sparsam. Im Alltag heißt das Ganze nur „der Dispo", und „ins Minus gehen" ist die gesprochene Variante.

Zahlungen und Karten

Girocard / EC-Karte – die deutsche Debitkarte (auch EC-Karte genannt). In deutschen Läden weit verbreitet; funktioniert nur mit PIN. Nicht dasselbe wie Maestro oder Mastercard Debit – manche internationalen Shops akzeptieren sie nicht.

Kreditkarte – eine Karte, deren Umsätze gesammelt und einmal im Monat vom Girokonto abgebucht werden. Im deutschen Alltag ist sie weniger verbreitet als in Großbritannien oder den USA. Beachte außerdem: Was hier „Kreditkarte" heißt, gewährt meistens gar keinen Kredit, sondern zieht den vollen Betrag monatlich ein. Beim Standardgirokonto ist oft nur eine Girocard dabei, die Kreditkarte ist ein eigenes Produkt mit Jahresgebühr.

Giropay – ein deutsches Online-Zahlungssystem, das direkt mit dem Bankkonto verknüpft ist.

Lastschriftmandat / SEPA-Mandat – eine Ermächtigung, die einem Unternehmen erlaubt, dein Konto zu belasten. Sie wird immer ausdrücklich erteilt, bevor eine Lastschrift verarbeitet werden darf. Erscheint eine unberechtigte Lastschrift, kannst du sofort eine Rückbuchung veranlassen.

Rückbuchung – das Zurückholen einer Lastschrift, die du nicht wolltest oder nicht erwartet hast. Du brauchst dafür keinen Grund und keine Zustimmung der Firma, ein Klick im Online-Banking genügt, und die Frist liegt bei acht Wochen ab Belastung. Das Verb ist trennbar: „Ich buche die Abbuchung zurück."

Überweisung im Ausland – eine internationale Überweisung. Innerhalb der EU und in Euro gilt die SEPA-Überweisung zu Inlandsbedingungen: keine Extragebühren, ein Bankarbeitstag. Außerhalb davon wird es teuer, und dann brauchst du den BIC.

Hinweise zur Bankkultur

Deutsche haben eine ausgeprägte Vorliebe für Bargeld. Viele Restaurants, Läden und Marktstände nehmen weiterhin ausschließlich Scheine und Münzen; am Eingang steht dann „Nur Barzahlung". Etwas Bargeld dabeizuhaben ist in Deutschland auf eine Weise praktisch, wie es in Skandinavien oder Großbritannien nicht mehr ist.

Das Konzept der Schufa-Auskunft – ein Bonitätsbericht der Schufa, Deutschlands wichtigstem Kreditbüro – ist bedeutsam. Viele Vermieter, Banken und Telekommunikationsunternehmen fordern ihn vor Vertragsabschluss an. Hole dir einmal im Jahr die kostenlose Kopie bei der Schufa, damit du deinen eigenen Score kennst. Das hängt mit den anderen deutschen Behördenformalitäten zusammen.

Deutsches Behördenwesen und Banking sind miteinander verknüpft – die Anmeldung wirkt sich auf alles aus, auch auf das Bankkonto. Mach die Anmeldung zuerst richtig, und das obige Bankvokabular erledigt den Rest.


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