In Deutschland mit der Schule anzufangen ist ein Meilenstein mit einem spezifischen Vokabular – und spezifischen Erwartungen, die sich von vielen anderen europäischen Systemen unterscheiden. Das deutsche Schulsystem ist anders strukturiert als das britische, amerikanische oder französische; seine Struktur zu verstehen ist der erste Schritt zur Beteiligung als Elternteil.

Hier ist das Vokabular für das deutsche Schulsystem: die Schularten, die wichtigen Momente, die Dokumente und die Gespräche mit Lehrern.

Das ist die einsprachige Fassung: Jeder Begriff wird auf Deutsch erklärt, ohne Übersetzung – gedacht für Deutschlernende ab etwa B1. Wenn Deutsch deine Muttersprache ist, findest du denselben Artikel als Sprachpaar auf Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch.

Das deutsche Schulsystem

Die deutsche Schulpflicht (Schulpflicht) beginnt mit 6 Jahren und dauert mindestens 9 Jahre. Der Weg, den ein Kind nimmt, hängt jedoch stark von den Empfehlungen am Ende der Grundschule ab – und diese Empfehlungen haben weitreichende langfristige Konsequenzen.

Grundschule – Grundschule, Jahrgang 1–4 (in den meisten deutschen Bundesländern). In Berlin und Brandenburg Jahrgang 1–6.

Orientierungsstufe – eine Übergangs- / Orientierungsphase in manchen Bundesländern, bevor die weiterführende Schulform entschieden wird.

Hauptschule – eine weiterführende Schule, ca. Jahrgang 5–9. Führt zum Hauptschulabschluss. Bereitet Schüler vor allem auf die Berufsausbildung (Ausbildung) vor.

Realschule – eine mittlere weiterführende Schule, ca. Jahrgang 5–10. Führt zur Mittleren Reife (Realschulabschluss). Eröffnet Wege zur Berufsausbildung und zu manchen Formen der Weiterbildung.

Gymnasium – eine akademische weiterführende Schule, ca. Jahrgang 5–12 oder 5–13 je nach Bundesland. Führt zum Abitur, das zur Hochschule/Universität berechtigt.

Gesamtschule – eine Gesamtschule, die alle drei Schulformen unter einem Dach vereint. Ermöglicht den Wechsel zwischen den Schulformen.

Förderschule – eine Schule mit besonderer pädagogischer Unterstützung für Schüler mit Lernschwierigkeiten oder Beeinträchtigungen.

Übertritt / Schulempfehlung – die Übertrittsempfehlung der Grundschule-Lehrer, die ein Kind Richtung Hauptschule, Realschule oder Gymnasium lenkt. Das ist einer der folgenreichsten Momente im schulischen Leben eines deutschen Kindes.

Wichtige Meilensteine

Einschulung – der erste Schultag, der in Deutschland ein bedeutsames Fest ist. Kinder erhalten eine Schultüte – ein großer Kegel gefüllt mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken. Schulen veranstalten oft eine formelle Feier für die neue Erstklässlerklasse und ihre Familien.

Schultüte – der traditionelle große Papierkegel voller Süßigkeiten, den deutsche Kinder an ihrem ersten Schultag erhalten.

Anmeldung – Schulanmeldung. Kinder müssen an der zugeteilten Schule formell angemeldet werden, in der Regel im Frühjahr vor dem Schulstart im September. Erforderliche Dokumente umfassen typischerweise: Geburtsurkunde, Impfausweis und Meldebescheinigung.

Schulbeginn – Schuljahresbeginn (variiert je nach Bundesland; in der Regel Ende August bis Mitte September).

Schulferien – die unterrichtsfreien Wochen im Schuljahr: Sommer-, Herbst-, Weihnachts-, Oster- und Pfingstferien. Die Termine legt jedes Bundesland selbst fest, und sie sind absichtlich gestaffelt, damit nicht ganz Deutschland gleichzeitig losfährt – prüfe also den Kalender deines Bundeslandes, nicht den vom Nachbarland. Zwei Dinge zum Wort: Es gibt es nur im Plural, und für Erwachsene heißt dasselbe Urlaub.

Zeugnis – das offizielle Notendokument der Schule, ausgestellt am Ende jedes Schuljahres und in vielen Bundesländern zusätzlich zur Jahresmitte (Halbjahreszeugnis). Es hat Gewicht: Aus den Noten der vierten Klasse folgt die Schulempfehlung. Über die Schule hinaus meint das Wort jede amtliche Bescheinigung – ein Arbeitszeugnis schreibt der Arbeitgeber, wenn du gehst.

Abitur – die Abschlussprüfung, ungefähr vergleichbar mit dem A-Level oder dem Baccalauréat. Voraussetzung für die Hochschule.

Ausbildung – Berufsausbildung. Eine in Deutschland angesehene und gut entwickelte Alternative zur Universität; ein strukturiertes Ausbildungssystem (duales Ausbildungssystem), bei dem Auszubildende ihre Zeit zwischen einem Unternehmen und einer Berufsschule aufteilen.

Der Schulalltag

Unterricht – das Unterrichten selbst, also die Zeit, in der eine Lehrkraft der Klasse etwas beibringt. Das Wort hat keinen Plural; gezählt wird in Stunden: „Morgen haben wir erst ab zehn Unterricht." Übliche Verbindung ist Unterricht haben – und der Satz, den Kinder am liebsten hören: „Der Unterricht fällt aus."

Stundenplan – die Tabelle, die festhält, welches Fach wann und in welchem Raum stattfindet. „Stunde" heißt hier nicht 60 Minuten, sondern eine Schulstunde von in der Regel 45 – deshalb passen sechs davon in einen Vormittag.

Hausaufgaben – die Aufgaben, die zu Hause zu erledigen sind. Das Wort steht immer im Plural, auch wenn es nur eine Aufgabe ist. Das Verb dazu ist machen: „Hast du deine Hausaufgaben gemacht?"

Klassenarbeit – eine angekündigte, benotete schriftliche Prüfung, die die ganze Klasse gleichzeitig während des Unterrichts schreibt. Der Unterschied zum Test: Eine Klassenarbeit zählt deutlich stärker für die Zeugnisnote, und pro Woche dürfen nur wenige angesetzt werden. Das Verb ist schreiben: „Wir schreiben am Freitag eine Klassenarbeit."

Schulaufgabe – eine formell benotete Aufgabe oder Prüfung (Begriff vor allem in Bayern gebräuchlich).

Klassenfahrt – die mehrtägige Reise, die eine Klasse gemeinsam mit ihren Lehrkräften macht – fester Teil des Schulprogramms, nicht Freizeit, und die Teilnahme ist in der Regel verbindlich. Für die Kosten gibt es bei Bedarf Zuschüsse; frag im Zweifel danach, das ist normal. Ein Wandertag ist dagegen ein einzelner Ausflug ohne Übernachtung.

Elternabend – ein Abendtermin, zu dem die Klassenlehrkraft alle Eltern einer Klasse gemeinsam einlädt: Organisatorisches, der Stoff des Jahres, Termine, Wahl der Elternvertreter. Es geht ausdrücklich nicht um dein einzelnes Kind – dafür ist der Elternsprechtag da. Hingehen lohnt sich: Was dort besprochen wird, gilt danach als allen bekannt.

Elternsprechtag – der Tag, an dem die Lehrkräfte in kurzen Einzelterminen von oft 10 bis 15 Minuten mit einzelnen Eltern über deren Kind sprechen. Angemeldet wird über eine Liste oder ein Onlineportal, und die guten Zeiten sind schnell weg.

Klassensprecher – der Schüler oder die Schülerin, den die Klasse zu ihrer Vertretung wählt: Sprachrohr gegenüber Lehrkräften und Schulleitung. Ein echtes Amt mit Wahl, keine Auszeichnung für gute Noten. Weibliche Form: Klassensprecherin.

Elternvertreter – Elternvertreter; eine gewählte Position auf Klassenebene.

Elternbeirat / Schulelternbeirat – der Schulelternbeirat; gewählte Vertreter auf Schulebene.

Schulleiter/in – die Schulleitung.

Klassenlehrer/in – die Lehrkraft, die für eine bestimmte Klasse zuständig ist: erste Ansprechperson für die Eltern, verantwortlich für Zeugnisse, Entschuldigungen und alles Organisatorische. Sie unterrichtet die Klasse meist in einem oder zwei Fächern und begleitet sie oft über mehrere Jahre. Wenn du nicht weißt, an wen du dich wenden sollst: an diese Person.

Fachlehrer/in – eine Lehrkraft, die die Klasse nur in ihrem eigenen Fach unterrichtet – Mathematik, Musik, Sport. Bei einer Frage zur Note in genau diesem Fach ist sie zuständig, bei allem anderen die Klassenlehrerin.

Vertretungsunterricht – Unterricht, den eine andere Lehrkraft übernimmt, weil die eigentliche krank ist oder auf Fortbildung. Findet sich keine Vertretung, gibt es eine Freistunde oder der Unterricht „fällt aus" – bei jüngeren Klassen heißt das, dass du dein Kind früher abholen musst.

Entschuldigung – eine Entschuldigungsnachricht. Wenn das Kind krank ist und der Schule fernbleibt, muss innerhalb einer festgelegten Frist (in der Regel 3 Tage) eine schriftliche Entschuldigung an den Lehrer geschickt werden. „Mein Kind war krank. Bitte entschuldigen Sie das Fehlen."

Noten

Deutsche Noten laufen von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend):

  • 1 – sehr gut
  • 2 – gut
  • 3 – befriedigend
  • 4 – ausreichend (bestanden)
  • 5 – mangelhaft
  • 6 – ungenügend (nicht bestanden)

Diese umgekehrte Skala überrascht viele Expats. Eine 1 ist die beste Note; eine 6 bedeutet Nichtbestehen. Eine 4 ist bestanden.

Das deutsche Schulsystem belohnt elterliches Engagement – die Teilnahme an Elternabenden, das Lesen von Zeugnissen und die Kommunikation mit Lehrern. Das Vokabular für diese Gespräche aufbauen, bevor der erste Elternabend kommt – dann nimmst du an der Bildung deines Kindes teil, statt sie von außen zu beobachten.


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