Wer in der Türkei länger als die visumfreie Zeit bleiben will, braucht eine ikamet izni, die Aufenthaltserlaubnis. Der Vorgang läuft über die Göç İdaresi, die Migrationsbehörde, und er ist gut organisiert, aber unbarmherzig formalistisch. Ein fehlendes Papier bedeutet nicht eine Nachfrage, sondern einen neuen Termin.

Zwei Dinge überraschen Deutsche regelmäßig. Erstens: Der Termin wird online gebucht, und das System vergibt ihn, nicht du. Zweitens: Dein Mietvertrag reicht nicht so, wie er ist. Er muss vom noter, dem Notar, beglaubigt werden, und das kostet Zeit und Geld, mit dem viele nicht rechnen.

Zur Aussprache: Türkisch schreibt sich lautgetreu, was den Einstieg erleichtert. c klingt wie „dsch", ç wie „tsch", ş wie „sch", ğ dehnt den Vokal davor und wird selbst nicht gesprochen. Das ı ohne Punkt ist ein dumpfer Laut, für den es im Deutschen keine Entsprechung gibt. ö und ü sprichst du genau so, wie du es gewohnt bist, ein seltener Heimvorteil.

Die Behörde und der Weg dorthin

Göç İdaresi (götsch idahressi) – die Migrationsbehörde. Der volle Name ist länger, aber so nennt sie jeder.

Randevu (randewuh) – der Termin. Aus dem Französischen entlehnt und leicht zu merken.

e-Devlet (e-dewlet) – das staatliche Onlineportal. Praktisch jeder Verwaltungsvorgang beginnt hier, und ohne Zugang bist du in der Türkei erstaunlich handlungsunfähig.

Nüfus Müdürlüğü (nüfuss müdürlüü) – das Einwohnermeldeamt. Zuständig für Adressdaten und Ausweise.

Sıra numarası (ßıra numarassı) – die Wartenummer.

Görevli (görewli) – der Beamte, die zuständige Person am Schalter.

Deine Dokumente

Pasaport (passaport) – der Reisepass.

Yabancı kimlik numarası (jabandschı kimlik numarassı) – die Ausländeridentifikationsnummer, kurz YKN. Sie beginnt immer mit 99 und ist ab dem Moment, in dem du sie hast, deine wichtigste Zahl im Land.

İkametgah (ikametgah) – der Wohnsitz, im Behördenkontext auch die Wohnsitzbescheinigung.

Kira sözleşmesi (kira ßösleschmessi) – der Mietvertrag. Für den Antrag brauchst du ihn als noter tasdikli kira sözleşmesi, also notariell beglaubigt.

Noter (noter) – der Notar. Eine zentrale Figur im türkischen Alltag, viel präsenter als in Deutschland.

Yeminli tercüman (jeminli terdschümahn) – der vereidigte Übersetzer. Deutsche Urkunden brauchen in der Regel eine beglaubigte Übersetzung.

Apostil (apostil) – die Apostille. Besorge sie in Deutschland, bevor du fliegst. Nachträglich wird es umständlich.

Sağlık sigortası (ßaalık ßigortassı) – die Krankenversicherung. Ein Nachweis ist Voraussetzung für die Aufenthaltserlaubnis.

Biyometrik fotoğraf (bijometrik fotooraf) – das biometrische Passfoto. Bring mehr mit, als verlangt werden.

Die Vorgänge

Başvuru (baschwuru) – der Antrag.

İkamet izni (ikamet isni) – die Aufenthaltserlaubnis. Umgangssprachlich sagen viele einfach oturma izni, wörtlich „Sitz-Erlaubnis".

Uzatma (usatma) – die Verlängerung.

Harç (hartsch) – die Gebühr.

Belge (belge) – das Dokument. Evrak (ewrak) meint den ganzen Stapel.

Fotokopi (fotokopi) – die Fotokopie. Auch hier gilt: mehr als du denkst.

İmza (imsah) – die Unterschrift.

Onay (onai) – die Bestätigung, die Genehmigung.

Die Wörter, die du hoffentlich nicht brauchst

Eksik evrak (ekßik ewrak) – fehlende Unterlagen.

Reddedildi (reddedildi) – abgelehnt.

İtiraz (itiras) – der Widerspruch.

Vize ihlali (wise ihlahli) – der Visumsverstoß.

Sınır dışı (ßınır dıschı) – die Ausweisung. Wörtlich „außerhalb der Grenze".

Tekrar gelin (tekrar gelin) – „kommen Sie noch einmal". Der Satz, den niemand hören will.

Warum das mehr bringt als eine Übersetzungs-App

Türkischkurse für Deutschsprachige gibt es reichlich, und fast alle beginnen mit dem Alltag im Café. Das ist nicht falsch, aber es bereitet dich nicht auf den Vormittag vor, an dem entschieden wird, ob du bleiben darfst. Dieser Wortschatz ist speziell, er wiederholt sich bei jeder Verlängerung, und er steht in keinem Lehrbuch.

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