Die Wohnungsbesichtigung lief gut. Der Vermieter wirkte vernünftig. Du hast Interesse bekundet, er hat gelächelt und dir ein Dokument hingehalten.
Du hast es mit nach Hause genommen. Den ersten Absatz dreimal gelesen. Das Wort und hast du verstanden.
Mietverträge in Deutschland sind ernste Dokumente mit ernsthaften Konsequenzen — und sie setzen eine Vertrautheit mit dem lokalen Mietmarkt voraus, die die meisten Neuankömmlinge nicht haben. Wer eine Frist übersieht, eine Klausel falsch versteht oder schlicht nicht weiß, was Schönheitsreparaturen bedeutet, riskiert mehrere Monatsmieten. Das folgende Vokabular ist kein Nice-to-have — es ist der Unterschied zwischen einem reibungslosen Mietverhältnis und einer teuren Erfahrung.
Die Zahlen im Inserat
Die erste Verwirrung entsteht, noch bevor man überhaupt Kontakt zum Vermieter aufnimmt: im Inserat stehen zwei verschiedene Preise.
Kaltmiete — die Grundmiete ohne Nebenkosten. Das ist die kleinere der beiden Zahlen. Sie umfasst nur die Wohnung selbst — sonst nichts.
Warmmiete — die Gesamtmiete inklusive Nebenkosten. Das ist der Betrag, den du monatlich tatsächlich zahlst. Frage immer zuerst nach der Warmmiete, bevor du ein Budget aufstellst.
Nebenkosten — Betriebskosten. Dazu zählen Heizung, Wasser, Hausmeisterservice, Müllabfuhr und manchmal der Strom für Gemeinschaftsflächen. Sie werden im Voraus geschätzt und einmal jährlich abgerechnet — mehr dazu beim Auszug.
Abschlag — die monatliche Vorauszahlung auf die Nebenkosten, basierend auf dem Verbrauch des Vorjahres. Im Januar oder Februar erhältst du die Abrechnung, die zeigt, was tatsächlich verbraucht wurde. War die Schätzung zu niedrig, zahlst du die Differenz nach.
Vor der Unterschrift
Kaution — die Mietkaution. Gesetzlich auf maximal drei Kaltmieten begrenzt. Sie wird auf einem separaten Konto verwahrt und muss nach dem Auszug — inklusive Zinsen — zurückgezahlt werden, abzüglich berechtigter Abzüge. Die Kaution vollständig zurückzubekommen ist in Deutschland so etwas wie ein Volkssport.
Wohnungsgeberbestätigung — die Bestätigung des Vermieters, dass du bei ihm wohnst — notwendig für die offizielle Anmeldung (Anmeldung). Ohne diese Bestätigung keine Anmeldung, ohne Anmeldung kein Bankkonto. Stelle sicher, dass dein Vermieter weiß, dass er sie ausstellen muss — denn er ist dazu gesetzlich verpflichtet.
Mietvertrag — der Mietvertrag. Lies ihn. Vollständig. Mit Wörterbuch, wenn nötig. Besonders aufmerksam solltest du bei allem sein, was mit Schönheitsreparaturen, Kündigungsfristen und normaler Abnutzung zu tun hat.
Staffelmiete — eine Mieterhöhungsklausel, die automatische, im Voraus festgelegte Mieterhöhungen in regelmäßigen Abständen vorsieht. Legal und immer häufiger. Wisse, was du unterschreibst.
Indexmiete — eine an den Verbraucherpreisindex gekoppelte Miete. Anders als die Staffelmiete — und ebenfalls wichtig zu verstehen, bevor man unterschreibt.
Während des Mietverhältnisses
Vermieter — dein Gegenüber bei allen Streitigkeiten, Verhandlungen und Reparaturanfragen.
Mieter — du.
Hausverwaltung — die Hausverwaltungsgesellschaft. In größeren Gebäuden kann der Vermieter die laufende Verwaltung an eine Hausverwaltung delegieren. Wartungsanfragen, Beschwerden über Nachbarn und Abrechnungsfragen richten sich dann oft an diese — nicht direkt an den Eigentümer.
Mietpreisbremse — ein Gesetz, das in angespannten Wohnungsmärkten die Miethöhe deckelt (oberhalb des lokalen Mietspiegels). Nicht überall konsequent durchgesetzt, aber gut zu wissen, wenn die eigene Miete ungewöhnlich hoch erscheint.
Mietspiegel — der lokale Mietpreisspiegel, der von der Stadt veröffentlicht wird und zeigt, was vergleichbare Wohnungen üblicherweise kosten. Nützlicher Vergleichswert zur Einschätzung der eigenen Miete.
Betriebskostenabrechnung — die jährliche Nebenkostenabrechnung. Du erhältst sie einmal im Jahr, in der Regel bis Ende des Folgejahres. Sie stellt deine monatlichen Vorauszahlungen den tatsächlichen Kosten gegenüber. Hebe alle Belege auf.
Wenn du ausziehen möchtest
Kündigung — die schriftliche Kündigung. Sie muss schriftlich, unterschrieben und nachweisbar zugestellt werden — entweder persönlich mit Gegenquittung oder per Einschreiben (Einschreiben).
Kündigungsfrist — die Kündigungsfrist. Für Mieter beträgt sie fast immer drei Monate. Wer diese Frist auch nur um einen Tag überschreitet, schuldet eine weitere volle Monatsmiete. Die Kündigung muss dem Vermieter bis spätestens zum dritten Werktag des Monats zugegangen sein, damit sie für diesen Monat gilt.
Eigenbedarfskündigung — die Kündigung durch den Vermieter, weil er oder ein naher Familienangehöriger die Wohnung selbst benötigt. Legal, aber der Vermieter muss einen echten Bedarf nachweisen. Einer der häufigsten Gründe, warum Mieter in Deutschland aufgefordert werden zu gehen.
Schönheitsreparaturen — Klauseln, die den Mieter beim Auszug zu Renovierungsarbeiten verpflichten, etwa Streichen oder Wiederherstellen des Ursprungszustands. Viele dieser Klauseln sind rechtlich unwirksam — deutsche Gerichte haben schlecht formulierte Renovierungspflichten immer wieder für nichtig erklärt. Wenn dein Vertrag eine solche Klausel enthält, lohnt es sich, beim Mieterverein nachzufragen, ob sie tatsächlich durchsetzbar ist.
Übergabeprotokoll — das Übergabeprotokoll bei Ein- und Auszug, das den Zustand der Wohnung dokumentiert. Ohne ein solches Protokoll beim Einzug auszuziehen ist ein finanzielles Risiko — ohne schriftlichen Befund vom Einzugstag kann jeder vorhandene Schaden dir angelastet werden.
Noch ein Begriff
Mieterverein — der Mieterverein. In jeder größeren deutschen Stadt für einen kleinen Jahresbeitrag zugänglich. Er prüft Mietverträge, berät bei Streitigkeiten und vertritt Mitglieder in Auseinandersetzungen mit Vermietern. Wenn du für längere Zeit in Deutschland leben möchtest, ist die Mitgliedschaft eine der lohnendsten Investitionen, die du machen kannst. Jeder Begriff, den du über deine Rechte als Mieter lernst, ist es wert, ihn zu kennen, bevor du ihn brauchst.
In Deutschland — oder irgendwo im Ausland — zu mieten bedeutet, in einer Sprache zu leben, die man noch lernt. Vokabulo hilft dir, genau das Vokabular aufzubauen, das du für deine Situation brauchst — nicht für die von jemand anderem. Für iPhone und iPad erhältlich.


