Es geht dir nicht gut. Du hast eine Arztpraxis in der Nähe gefunden. Ein Termin ist gebucht. Und jetzt sitzt du im Wartezimmer einer deutschen Arztpraxis und liest ein Formular mit Fragen, die du nur halb verstehst – und überlegst, wie du beschreiben sollst, was los ist, in einer Sprache, die das Verb ans Satzende stellt.
Deutsche Ärzte – besonders in größeren Städten – verfügen oft über funktionales Englisch. Viele aber nicht, und viele führen Termine lieber auf Deutsch, auch wenn sie notfalls Englisch könnten. Das Vokabular zu kennen bedeutet nicht nur Kommunikation; es bedeutet, als kompetenter Erwachsener behandelt zu werden, der weiß, was er braucht.
Hier ist, was dich erwartet. Die Wörter allein helfen dabei wenig – deshalb erklärt jeder Eintrag auch, wie das deutsche System an dieser Stelle funktioniert.
Das ist die einsprachige Fassung: Jeder Begriff wird auf Deutsch erklärt, ohne Übersetzung – gedacht für Deutschlernende ab etwa B1. Wenn Deutsch deine Muttersprache ist, findest du denselben Artikel als Sprachpaar auf Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch.
Das System
Krankenversicherung – in Deutschland Pflicht, nicht Wahl: Ohne Versicherungsnachweis kommst du weder durch die Anmeldung noch durch den Arbeitsvertrag. Das System ist zweigliedrig – die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) trägt die große Mehrheit, die private Krankenversicherung (PKV) steht Besserverdienenden, Selbstständigen und Beamten offen. Du solltest wissen, welche von beiden du hast: Danach wird in jeder Praxis zuerst gefragt.
Krankenkasse – der spezifische öffentliche Krankenversicherer (AOK, TK, Barmer, DAK und viele andere). Von ihr bekommst du die Versicherungskarte.
Versichertenkarte / Gesundheitskarte – die elektronische Gesundheitskarte. Lege sie bei jedem Termin vor. Die Arztpraxis übermittelt sie elektronisch an die Krankenkasse; ohne sie wirst du möglicherweise gebeten, privat zu zahlen und dir die Kosten später erstatten zu lassen.
Kassenpatient – ein gesetzlich versicherter Patient. Die meisten Deutschen.
Privatpatient – ein privat versicherter Patient. Bekommt in der Regel schneller einen Termin und kommt häufiger direkt zu Oberärzten.
Praxis / Arztpraxis – die Räume eines niedergelassenen Arztes, und der Ort, an dem in Deutschland fast alle ambulante Behandlung stattfindet. Nicht mit Klinik oder Krankenhaus verwechseln: Dort wird stationär behandelt, also mit Übernachtung. Eine deutsche „Klinik" ist kein kleines Sprechzimmer, sondern ein Haus mit Betten – einer der häufigsten falschen Freunde für Englisch- und Romanischsprachige. Der Empfangstresen in der Praxis heißt übrigens Anmeldung.
Hausarzt / Hausärztin – der Hausarzt. In Deutschland ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner für die meisten Gesundheitsfragen. Fachärzte (Facharzt) darfst du als gesetzlich Versicherter grundsätzlich auch ohne Überweisung aufsuchen, aber viele Praxen fragen danach, und für manche Untersuchungen ist sie Voraussetzung.
Facharzt / Fachärztin – eine Ärztin oder ein Arzt mit abgeschlossener Spezialisierung: Kardiologie, Dermatologie, Orthopädie, Neurologie und so weiter. Praktisch wichtig ist die Wartezeit: Bei Fachärzten sind mehrere Monate bis zum Termin normal. Mit einer dringenden Überweisung hilft die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung unter der Nummer 116 117 weiter.
Termin – der vereinbarte Zeitpunkt, und in Deutschland die Grundvoraussetzung: Ohne Termin wirst du in den meisten Praxen abgewiesen oder wartest Stunden, denn nur wenige haben eine offene Sprechstunde. Am Telefon sagst du: „Ich würde gerne einen Termin vereinbaren." Beachte die Verben – ein Termin wird vereinbart oder gemacht, nie „gebucht".
Am Empfang
Anmeldeformular – der Bogen, den du beim ersten Besuch einer Praxis ausfüllst: persönliche Daten, Versicherung, Krankengeschichte. „Anmeldung" heißt hier Aufnahme in der Praxis – nicht die Wohnsitzanmeldung beim Bürgeramt, für die dasselbe Wort benutzt wird.
Vorerkrankungen – alle Krankheiten, die du vor dem heutigen Termin schon hattest oder noch hast. Die Frage steht auf jedem Formular. Chronische Diagnosen und Operationen gehören hierhin, eine Erkältung von letztem Jahr nicht. Der Plural ist die übliche Form.
Allergien – Unverträglichkeiten, die eine Behandlung beeinflussen. Gefragt wird gezielt nach Medikamenten (vor allem Penicillin), Latex und Kontrastmitteln. Antwortest du „keine", wird das so notiert und später vorausgesetzt – bist du unsicher, sag besser „nicht bekannt".
Medikamente – alles, was du regelmäßig einnimmst, einschließlich Pille, Vitaminen und Nahrungsergänzung. Bring die Packungen mit oder notiere Wirkstoff und Dosierung: Handelsnamen unterscheiden sich von Land zu Land, der Wirkstoff nicht.
Notfall – ein Fall, der nicht warten kann. Das Wort öffnet Türen, hat aber Gewicht: Sagst du am Telefon „Es ist ein Notfall.", bekommst du meist noch am selben Tag einen Termin – benutze es also nur, wenn es zutrifft. Abends und am Wochenende ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 zuständig, bei Lebensgefahr die 112.
Wartezeit – gemeint ist beides: die Minuten im Wartezimmer und die Wochen bis zum Termin. Beides ist in Deutschland Gesprächsthema, weil Kassenpatienten auf Facharzttermine deutlich länger warten als Privatpatienten. Aufgerufen wirst du mit Namen, nicht mit einer Nummer.
Beschwerden beschreiben
Beschwerden – Beschwerden, Symptome. Das Wort, das der Arzt verwenden wird: „Was sind Ihre Beschwerden?"
Schmerzen – das allgemeine Wort, im Deutschen fast immer im Plural. Der Arzt will Ort und Art hören, und das Deutsche baut den Ort meist direkt ins Wort ein:
- Kopfschmerzen – im Kopf; die häufigste dieser Zusammensetzungen.
- Bauchschmerzen – im ganzen Bauchraum, ohne genauere Angabe.
- Rückenschmerzen – im Rücken; ergänze „oben" oder „unten".
- Brustschmerzen – im Brustraum. Dieses Wort nimmt jede Praxis sofort ernst, weil es aufs Herz deuten kann, also sag es deutlich.
- Halsschmerzen – innen, beim Schlucken spürbar. Tut die Rückseite außen weh, sind es Nackenschmerzen.
Brennen – ein Schmerz wie Hitze, typisch für Magen, Haut und Harnwege. Als Verb natürlicher: „Es brennt." Stechen – stechender Schmerz. Ziehen – ziehender Schmerz. Dumpf – nicht spitz, sondern breit und schwer, schlecht zu lokalisieren und oft dauerhaft im Hintergrund. Häufig in der Verbindung dumpfes Pochen. Anhaltend / dauerhaft – anhaltend, konstant. Intermittierend – das Fachwort für „kommt und geht". Es steht in Befunden und Ärzte benutzen es, du kommst im Gespräch mit „Es kommt und geht" genauso weit.
Fieber – Körpertemperatur über 38 Grad; darunter spricht man von erhöhter Temperatur. Als Satz: „Ich habe Fieber" oder „Ich bin fiebrig." Nenne den Wert mit Komma, nicht mit Punkt: 38,5.
Schwindel – das Gefühl, dass sich alles dreht oder der Boden schwankt. Als Satz mit Dativ: „Mir ist schwindelig." – nicht „Ich bin schwindelig".
Übelkeit – das Gefühl, dass dir schlecht wird, ohne dass du schon erbrochen hast. Im Gespräch nimmt man den Satz, nicht das Substantiv: „Mir ist übel."
Erbrechen – das Wort für den Vorgang, wie es im Formular und im Befund steht. Gesprochen ist „Ich habe mich übergeben." üblicher. Gefragt wird nach der Häufigkeit und danach, ob Blut dabei war.
Husten – Substantiv und Verb sind hier gleich. Die Praxis unterscheidet trockenen Husten und Husten mit Auswurf; nach dieser Unterscheidung wird gefragt, es lohnt sich also, beide Ausdrücke zu kennen.
Schnupfen – die verstopfte oder laufende Nase, nicht der ganze Infekt. Der komplette Zustand heißt Erkältung. Grippe meint medizinisch nur die echte Influenza, auch wenn es umgangssprachlich für jede Erkältung benutzt wird – beim Arzt beschreibst du besser die Symptome, statt eine Diagnose zu nennen.
Erschöpfung / Müdigkeit – Müdigkeit verschwindet nach dem Schlafen, Erschöpfung nicht. Nennst du „Erschöpfung", beschreibst du einen Zustand über Wochen; das ist ein deutlich stärkeres Signal als „Ich bin müde".
Seit wann? – Diese Frage kommt sicher. Halte eine Zeitangabe bereit: „Seit drei Tagen", „Seit letzter Woche."
Die Untersuchung
Blutdruck messen – Blutdruckmessung.
Blut abnehmen – Blutabnahme. „Ich muss Ihnen Blut abnehmen."
Rezept – die Verordnung, mit der du ein verschreibungspflichtiges Medikament in der Apotheke bekommst; der Arzt sagt dazu „Ich stelle Ihnen ein Rezept aus." Rechne damit, dass du keinen Zettel in die Hand bekommst: Das E-Rezept ist inzwischen der Standard und liegt auf deiner Versichertenkarte, die du in der Apotheke einfach einliest.
Kassenrezept – ein von der gesetzlichen Krankenversicherung abgedecktes Rezept (rosa Formular). Abgedeckte Medikamente werden gegen eine geringe Zuzahlung (Zuzahlung, derzeit 5–10 Euro pro Medikament) ausgegeben.
Privatrezept – ein privates Rezept (blaues oder weißes Formular). Du zahlst den vollen Preis und bekommst ihn je nach Versicherung erstattet.
Überweisung – das Formular, mit dem dich der Hausarzt an einen Facharzt weiterschickt. Achtung, echter Doppelgänger: Dasselbe Wort bezeichnet im Bankwesen die Geldüberweisung. Im Gesundheitskontext ist immer der Zettel gemeint, und er gilt für das laufende Quartal.
Krankschreibung / Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) – Krankschreibung, das Dokument, das die Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Seit 2023 überträgt der Hausarzt dies elektronisch an die Krankenkasse, die den Arbeitgeber benachrichtigt; du musst also in der Regel keine Papierkopie mehr abgeben.
Attest – Attest, ein breiterer Begriff für verschiedene Arten von medizinischen Dokumenten.
Wichtige Formulierungen
„Ich habe Schmerzen hier." + [zeigen]
„Die Schmerzen strahlen bis [Körperstelle] aus."
„Ich bin allergisch gegen [Substanz]."
„Ich nehme regelmäßig [Medikament]."
„Ich bin schwanger."
„Können Sie das bitte aufschreiben?"
„Ich habe das nicht ganz verstanden – können Sie es wiederholen?"
Hinweis zur Notaufnahme
Bei einem Notfall arbeitet die Notaufnahme im Krankenhaus unabhängig vom Terminsystem: Dort brauchst du keinen Termin, wirst aber nach Dringlichkeit behandelt und nicht nach Ankunftszeit – mit einer harmlosen Beschwerde kann das Stunden dauern. Leg am Empfang deine Versichertenkarte vor. Wichtig ist die Abgrenzung dazwischen: Die Praxis behandelt ambulant, das Krankenhaus stationär, und der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 ist für alles zuständig, was bis zum nächsten Werktag nicht warten kann, aber kein Notfall ist. Bei lebensbedrohlichen Notfällen: 112 anrufen.
Medizinisches Vokabular gehört zu den wichtigsten Wörtern, die du im Ausland lernst – nicht weil du es täglich brauchst, sondern weil du es wirklich brauchst, wenn es nötig ist. Baue es nicht während eines Termins auf. Vorher.
Deutsches Vokabular für den Alltag deckt Behördensituationen ab; dieses hier ist das Vokabular für die persönlichen.
Das Gesundheitsvokabular sollte keine Lücken haben. Vokabulo hilft dir, dich auf Arzttermine vorzubereiten, bevor du sie brauchst – auf Deutsch und in über 100 weiteren Sprachen. Für iPhone und iPad erhältlich.



