Deutsche Vorstellungsgespräche sind typischerweise strukturiert, relativ formell und auf konkrete Kompetenzen ausgerichtet, weniger auf Persönlichkeitsfit. Das bedeutet nicht, dass sie kalt sind – es bedeutet, dass sie einem Muster folgen. Und wenn du dieses Muster kennst, hast du einen erheblichen Vorteil.

Hier ist das Vokabular für das Gespräch selbst, die Fragen, die du hören wirst, und die Begriffe, die auftauchen, sobald es um das Angebot geht.

Das ist die einsprachige Fassung: Jeder Begriff wird auf Deutsch erklärt, ohne Übersetzung – gedacht für Deutschlernende ab etwa B1. Wenn Deutsch deine Muttersprache ist, findest du denselben Artikel als Sprachpaar auf Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch.

Vor dem Termin

Bewerbung – alles, was du einschickst, um dich um eine Stelle zu bemühen. Das Verb ist reflexiv und braucht zwei verschiedene Präpositionen: „Ich bewerbe mich bei Ihrem Unternehmen auf die Stelle als Projektleiterin." Die Bewerbungsmappe ist die vollständige Sammlung dieser Unterlagen und enthält typischerweise:

  • Anschreiben – die eine Seite, auf der du begründest, warum du diese Stelle willst und warum du dafür passt. Der Unterschied zum Lebenslauf ist entscheidend: das Anschreiben argumentiert, der Lebenslauf listet nur auf. „Motivationsschreiben" meint fast dasselbe, wird aber eher von Universitäten und Stipendien verlangt als von Firmen.
  • Lebenslauf – die Übersicht über Ausbildung und Berufsstationen, in Deutschland fast immer als tabellarischer Lebenslauf: Stichpunkte mit Datumsangaben, keine Prosa, ein bis zwei Seiten. Ein professionelles Foto ist rechtlich nicht mehr nötig, aber weiterhin üblich. Lücken im Verlauf erklärst du besser selbst, bevor jemand nachfragt. Sag nicht „mein CV" – verstanden wirst du, aber das Wort im Gespräch ist „Lebenslauf".
  • Zeugnisse – die schriftlichen Nachweise über Schule, Studium und frühere Anstellungen. Deutsche Arbeitgeber erwarten sie als Standard, nicht als Extra. Das Arbeitszeugnis schreibt dein alter Arbeitgeber beim Weggang, und es ist in einer eigenen, verschlüsselten Sprache formuliert: harmlos klingende Sätze wie „er war stets bemüht" sind in Wahrheit eine schlechte Note. Lies es, bevor du es weitergibst.

Einladung zum Vorstellungsgespräch – die Nachricht, mit der die Firma dich zum Termin bittet, heute meist per E-Mail. Antworte innerhalb eines Tages und bestätige Datum und Uhrzeit ausdrücklich – auf diese Bestätigung wird gewartet.

Vorstellungsgespräch – der Termin selbst, wörtlich das Gespräch, in dem du dich vorstellst. „Interview" versteht jeder, aber in Stellenanzeigen und E-Mails steht praktisch immer „Vorstellungsgespräch"; im Gespräch selbst sagen alle nur kurz „das Gespräch".

Probearbeitstag – ein einzelner Tag, an dem du im Betrieb mitarbeitest, damit beide Seiten sehen, ob es passt. Üblich in Handwerk, Gastronomie und Pflege, selten in Bürojobs. Die Frage, ob der Tag bezahlt wird, ist völlig legitim und gilt nicht als unhöflich.

Die Gesprächsstruktur

Deutsche Gespräche laufen fast immer in dieser Reihenfolge ab:

  1. Vorstellung des Unternehmens – die Firma beschreibt sich und die Stelle. Hör hier genau hin: die Begriffe, die jetzt fallen, kannst du später in deinen eigenen Antworten aufgreifen.
  2. Selbstvorstellung – dein eigener Teil, zwei bis drei Minuten. Deutlich länger wirkt weitschweifig.
  3. Fachgespräch – der inhaltliche Teil. „Fach" heißt Sachgebiet, es geht also um Können und Wissen, nicht um Sympathie. In Deutschland entscheidet dieser Abschnitt am meisten.
  4. Motivationsfragen – warum diese Firma, warum diese Stelle, warum jetzt.
  5. Gehaltsverhandlung – häufig schon im ersten Termin, nicht erst am Ende des Verfahrens. Darauf solltest du also von Anfang an vorbereitet sein.
  6. Ihre Fragen – deine Fragen an die Firma. Kein Höflichkeitsritual: wer nichts fragt, wirkt uninteressiert.

Stärken und Schwächen – das, was du gut kannst, und das, woran du arbeitest. „Was sind Ihre größten Stärken und Schwächen?" ist in Deutschland wörtlich gemeint und keine Aufwärmfrage. Eine ausgedachte Schwäche wie „Ich bin zu perfektionistisch" fällt durch. Nenne eine echte und dazu einen Satz, was du dagegen tust.

Berufserfahrung – die Zeit, die du in bezahlter Arbeit in deinem Feld verbracht hast. In Stellenanzeigen steht sie als Zahl: „mindestens drei Jahre Berufserfahrung". Studium und Praktika zählen dabei nicht mit – das ist der Unterschied zum weiteren Wort „Erfahrung".

Werdegang – der ganze Weg durch Ausbildung und Stellen bis heute, erzählt als Linie. Verlangt wird meist der „berufliche Werdegang", und erwartet wird eine chronologische Erzählung mit einer Begründung für jeden Wechsel. Sprünge ohne Erklärung fallen in Deutschland auf.

Qualifikation – der formale Nachweis, dass du etwas kannst oder darfst: Abschluss, Ausbildung, Zertifikat. Nicht mit Erfahrung verwechseln – Deutschland gewichtet Papiere stärker als viele andere Länder, und im Zweifel legst du das Zeugnis bei.

Fachkenntnisse – konkretes Wissen in einem Sachgebiet: Software, Normen, Verfahren, Sprachen. Das Wort steht im Plural, weil einzelne, aufzählbare Kenntnisse gemeint sind. Genau so wird auch gefragt: nach Beispielen, nicht nach Adjektiven wie „gut" oder „sehr gut".

Soft Skills – werden im Deutschen direkt als Anglizismus verwendet; soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Flexibilität.

Fragen, die man hören wird

„Erzählen Sie mir etwas über sich." – gefragt ist nicht dein Lebenslauf, sondern eine kurze Erzählung: beginne mit deiner aktuellen Stelle, skizziere den Werdegang rückwärts und erkläre, warum du dich jetzt bewirbst. Zwei bis drei Minuten.

„Warum bewerben Sie sich bei uns?" – die Frage prüft, ob du dich mit der Firma beschäftigt hast. Nenne etwas Konkretes: ein Produkt, einen Markt, eine Technologie. Allgemeines Lob über „ein spannendes Unternehmen" wird als Nichtantwort gehört.

„Warum möchten Sie Ihre aktuelle Stelle verlassen?" – geprüft wird deine Loyalität, nicht deine Unzufriedenheit. Antworte in Richtung Zukunft („Ich möchte mehr Verantwortung im Bereich ...") und kritisiere den aktuellen Arbeitgeber nicht, auch nicht angedeutet.

„Was sind Ihre mittelfristigen Karriereziele?" – gemeint sind drei bis fünf Jahre. Erwartet wird eine Richtung, die zu dieser Stelle passt, keine Position mit Titel. Wer „Ihren Job" antwortet, wirkt nicht ambitioniert, sondern unrealistisch.

„Wie würden Ihre Kollegen Sie beschreiben?" – eine Umweg-Frage nach deiner Selbsteinschätzung. Antworte mit zwei Eigenschaften und je einem Beispiel aus der Arbeit; Adjektive ohne Beleg werden hier nicht gezählt.

„Was war Ihr größter beruflicher Erfolg?" – erwartet wird ein einzelnes, benennbares Projekt mit Zahlen, wenn du sie hast. Und sag „wir" nur dort, wo es das Team war, und „ich" dort, wo es dein Beitrag war – diese Unterscheidung wird aufmerksam gehört.

„Nennen Sie ein Beispiel, in dem Sie mit einem schwierigen Kollegen umgehen mussten." – Deutsche Gespräche nutzen häufig Situationsfragen nach der STAR-Methode (Situation, Aufgabe, Maßnahme, Ergebnis). Erzähl deshalb in dieser Reihenfolge, und höre beim Ergebnis nicht auf.

„Wann könnten Sie frühestens anfangen?" – hier zählt eine konkrete Antwort mit Datum, und dafür musst du deine Kündigungsfrist beim aktuellen Arbeitgeber kennen. Sie steht im Vertrag und beträgt oft vier Wochen zum Monatsende oder drei Monate zum Quartalsende. „So schnell wie möglich" ist keine brauchbare Antwort.

Das Gehaltsgespräch

Gehaltsverhandlung – der Abschnitt, in dem über Geld geredet wird. „Verhandlung" ist wörtlich gemeint: die erste genannte Zahl ist selten die letzte. Warte trotzdem, bis die Firma das Thema aufbringt – selbst damit anzufangen gilt als ungeschickt. Wenn du gefragt wirst:

Gehaltsvorstellung – die Zahl, die du selbst nennst. Erwartet wird ein Bruttojahresbetrag, gern als schmale Spanne: „zwischen 62.000 und 68.000 Euro." Beachte, dass die Frage im Plural steht – „Was sind Ihre Gehaltsvorstellungen?" –, deine Antwort aber eine einzige Zahl bleibt.

Bruttojahresgehalt – dein Gehalt vor allen Abzügen, gerechnet auf ein ganzes Jahr. Das ist in Deutschland die Standardgröße: Zahlen in Anzeigen und im Gespräch sind praktisch immer brutto und pro Jahr, nie pro Monat. Was davon als Nettogehalt auf dem Konto landet, rechnest du vorher mit einem Gehaltsrechner aus – Steuern, Sozialversicherung und Rentenversicherung machen für die meisten Arbeitnehmer etwa 35–42 % aus.

Fixgehalt – der feste Teil deines Gehalts, jeden Monat gleich hoch, unabhängig von Leistung oder Umsatz. Frage nach der Aufteilung, wenn die Stelle mit Vertrieb zu tun hat: „Wie hoch ist der Fixanteil?" Bei manchen Verträgen sind nur siebzig Prozent fix.

Variables Gehalt / Bonus – der Teil, der an Ziele oder Ergebnisse gekoppelt ist. „Variables Gehalt" ist das Wort im Vertrag, „Bonus" das Wort im Gespräch. Entscheidend ist die Nachfrage, ob er vertraglich zugesichert oder freiwillig ist – „freiwillig" heißt, es kann auch nichts kommen.

Benefits / Zusatzleistungen – Zusatzleistungen: Dienstwagen, betriebliche Altersvorsorge, Homeoffice-Zuschuss, Fitnessstudio-Mitgliedschaft usw.

Tarifgebunden – an einen Tarifvertrag gebunden. Wenn das Unternehmen tarifgebunden ist, sind Gehaltsspannen teilweise durch den Branchenvertrag festgelegt.

Weihnachtsgeld – Weihnachtsgeld, in Deutschland traditionell (in der Regel ein Monatsgehalt), aber nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Urlaubsgeld – Urlaubsgeld, das vor dem Sommerurlaub gezahlt wird; ebenfalls eine traditionelle Leistung, nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Urlaub – Jahresurlaub. Das gesetzliche Minimum in Deutschland beträgt 20 Tage (bei 5-Tage-Woche); die meisten Unternehmen bieten 25–30 Tage.

Das Angebot

Vertragsangebot – das konkrete Angebot mit Zahlen und Bedingungen, meist schriftlich nach dem letzten Gespräch. Nicht mit der Stellenanzeige vom Anfang verwechseln: hier steht dein Name darauf. Mündliche Zusagen sind rechtlich nicht wertlos, aber kündige erst, wenn du das Papier hast.

Probezeit – die ersten Monate, in denen beide Seiten den Vertrag leichter beenden können, in Deutschland üblicherweise sechs. In dieser Zeit beträgt die Kündigungsfrist auf beiden Seiten zwei Wochen. Der wichtige Punkt ist nicht die Bezahlung – die ist identisch –, sondern der Kündigungsschutz, der erst danach greift.

Eintrittstermin – der Tag, an dem du anfängst. „Eintritt" meint hier den Eintritt in die Firma, nicht den Zugang zu einem Gebäude. Es ist fast immer der Erste eines Monats, weil Lohnabrechnung und Sozialversicherung monatsweise laufen.

Befristeter Vertrag – ein Vertrag mit festem Enddatum; er läuft von selbst aus, ohne dass jemand kündigen muss. Frage ruhig direkt: „Ist die Stelle befristet oder unbefristet?" Das gilt nicht als unhöflich, und die Antwort steht ohnehin im Vertrag.

Unbefristeter Vertrag – ein Vertrag ohne Enddatum, in Deutschland der Normalfall und das, worauf die meisten hinarbeiten. Die beiden Wörter unterscheiden sich nur um die Vorsilbe „un-", bedeuten aber das Gegenteil – hör bei dieser Stelle im Gespräch besonders genau hin.

Nachfrist – eine zusätzliche Bedenkzeit für das Angebot.

Die eigenen Fragen

Deutsche Interviewer erwarten von Kandidaten Fragen. Bereite drei oder vier vor. Gute Fragen:

„Wie sieht die Einarbeitung aus?" – „Einarbeitung" ist das deutsche Wort für Onboarding und meint die ersten Wochen mit Anleitung. Die Antwort verrät dir, wie strukturiert der Betrieb arbeitet.

„Wie ist das Team aufgestellt?" – „aufgestellt" fragt nach Größe, Rollen und Erfahrungsstufen im Team, nicht nach dem Organigramm des Unternehmens. Eine sehr ergiebige Frage, weil kaum jemand sie stellt.

„Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?" – gemeint ist beides: Weiterbildung und Aufstieg. Wenn dir eines der beiden wichtiger ist, frag es einzeln, sonst bekommst du nur die Antwort über Schulungsbudgets.

„Wie würden Sie die Unternehmenskultur beschreiben?" – frage das die Person, mit der du später arbeiten würdest, nicht die Personalabteilung. Und achte weniger auf die Adjektive als auf die Beispiele, die dazu genannt werden.

Professionelles Deutsch-Vokabular ist die Investition, die sich am direktesten im Berufsleben im Ausland auszahlt. Das Interview ist der Moment, der alles Weitere bestimmt – baue das Vokabular dafür auf, bevor du durch die Tür gehst.


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