Beim ersten Betreten einer deutschen Apotheke kann man überrascht sein. Es gibt keine Regale zum freien Stöbern. Die Medikamente sind hinter dem Tresen. Eine Apothekerin oder ein Apotheker – mit einem fünfjährigen Pharmaziestudium – reicht einem nach einem kurzen Gespräch das Benötigte.
Das ist keine Ineffizienz. Die deutsche Apothekenpraxis ist gründlich, beratungsorientiert und wirklich hilfreich – erfordert aber, dass man erklärt, was man braucht, auf Deutsch. Das folgende Vokabular deckt beide Seiten des Tresens ab: was man sagen muss und was die Etiketten zurücksagen.
Die Grundlagen
Apotheke – Apotheke. Erkennbar am roten großen A (Apotheken-A). Kein Drogeriemarkt und kein Supermarkt. Für rezeptfreie Medikamente (nicht verschreibungspflichtig) direkt nachfragen; für rezeptpflichtige Medikamente (verschreibungspflichtig) wird ein Rezept benötigt.
Apotheker/in – Apotheker/in.
Rezept – Rezept. Vom Arzt ausgestellt. Zwei Arten:
- Kassenrezept – ein von der gesetzlichen Krankenversicherung abgedecktes Rezept (in der Regel auf einem rosa Formular). Man zahlt eine Zuzahlung (Zuzahlung) von 5–10 Euro, unabhängig vom tatsächlichen Medikamentenpreis.
- Privatrezept – ein privates Rezept (blaues oder weißes Formular). Man zahlt den vollen Preis und fordert Erstattung von der Privatversicherung.
Selbstzahler – jemand, der selbst zahlt, ohne Versicherungsabdeckung.
Zuzahlung – die bei rezeptpflichtigen Medikamenten in der gesetzlichen Krankenversicherung anfallende Zuzahlung.
Generikum – ein Generikum. Chemisch äquivalent zu einem Markenmedikament (Originalpräparat), aber günstiger. Die Apotheke ist bei gesetzlich Versicherten oft verpflichtet, das günstigste Äquivalent zu dispensieren, sofern der Arzt auf dem Rezept keine „aut idem"-Ausschlussmarkierung gesetzt hat.
Was man sagt
Ich habe ein Rezept. – Ich habe ein Rezept.
Haben Sie etwas gegen...? – Haben Sie etwas gegen ...?
- Kopfschmerzen – Kopfschmerzen
- Halsschmerzen – Halsschmerzen
- Husten – Husten
- Schnupfen – Schnupfen / Erkältung
- Fieber – Fieber
- Magenschmerzen – Magenschmerzen
- Übelkeit – Übelkeit
- Schlaflosigkeit – Schlaflosigkeit
- Allergien – Allergien
- Blasenentzündung – Harnwegsinfektion
Ich suche etwas für... – Ich suche etwas für ...
Ich habe eine Erkältung. – Ich habe eine Erkältung.
Ich bin schwanger / stille gerade. – Ich bin schwanger / ich stille. (Beides beeinflusst, welche Medikamente sicher sind – immer erwähnen.)
Ich nehme bereits [Medikament]. – Ich nehme bereits [Medikament]. (Wechselwirkungen sind das Spezialgebiet der Apotheker – andere Medikamente immer erwähnen.)
Ich bin allergisch gegen [Stoff]. – Ich bin allergisch gegen [Substanz].
Etiketten lesen
Deutsche Medikamentenetiketten sind dicht beschriftet. Hier ist, was die wichtigsten Begriffe bedeuten:
Dosierung – Dosierung.
Einnahme – Einnahme/Anwendung. Achten auf:
- morgens – morgens
- mittags – mittags
- abends – abends
- nüchtern – auf nüchternen Magen
- zum Essen – zum Essen
- nach dem Essen – nach dem Essen
- vor dem Schlafen – vor dem Schlafen
- bei Bedarf – bei Bedarf
Tablette – Tablette. Kapsel – Kapsel. Zäpfchen – Zäpfchen. Tropfen – Tropfen. Salbe – Salbe. Creme – Creme. Spray – Spray. Sirup – Sirup.
Tagesdosis – Tagesdosis.
Maximale Tagesdosis – maximale Tagesdosis.
Nicht überschreiten – nicht überschreiten.
Packungsbeilage – die Packungsbeilage im Inneren der Schachtel. Enthält die vollständige Liste der Inhaltsstoffe, Gegenanzeigen und Nebenwirkungen. Umfangreich zu lesen, aber der Begriff ist wichtig zu kennen.
Nebenwirkungen – Nebenwirkungen.
Wechselwirkungen – Wechselwirkungen.
Gegenanzeigen / Kontraindikationen – Gegenanzeigen.
Haltbarkeitsdatum – Ablaufdatum. Auch: Verfallsdatum.
Kühl lagern – kühl lagern.
Nicht einfrieren – nicht einfrieren.
Von Kindern fernhalten – von Kindern fernhalten.
Verschreibungspflichtig – rezeptpflichtig. Nicht auf einen freien Kauf ohne Rezept hoffen.
Rezeptfrei – rezeptfrei (kein Rezept notwendig).
Apothekenpflichtig – nur in der Apotheke erhältlich (nicht im Supermarkt), aber ohne Rezept.
Praktische Hinweise
Viele Medikamente, die in anderen Ländern frei erhältlich sind, benötigen in Deutschland ein Rezept. Das gilt für bestimmte Schlafmittel, hochdosiertes Ibuprofen und spezifische Antibiotika. Nicht davon ausgehen, dass das, was anderswo im Regal stand, hier genauso erhältlich ist.
Deutsche Apotheken haben einen Notdienst – einen Bereitschaftsdienst außerhalb der Öffnungszeiten. Wenn außerhalb der regulären Öffnungszeiten Medikamente benötigt werden, findet man die diensthabende Apotheke (Notdienstapotheke) in der Umgebung über apothekennotdienst.de oder den Aushang an der Tür jeder geschlossenen Apotheke.
Medizinisches Vokabular ist am nützlichsten, wenn man es aufgebaut hat, bevor man krank ist. Die Apotheke gehört zu den häufigsten medizinischen Begegnungen des Expat-Lebens – früh auf die Vokabelliste setzen.
Ein deutsches Medikamentenetikett lesen sollte kein Wörterbuch erfordern. Vokabulo hilft dir, das nötige Medizinvokabular aufzubauen – auf Deutsch und in über 100 weiteren Sprachen. Für iPhone und iPad erhältlich.



