Beim ersten Betreten einer deutschen Apotheke kannst du überrascht sein. Es gibt keine Regale zum freien Stöbern. Die Medikamente sind hinter dem Tresen. Eine Apothekerin oder ein Apotheker – mit einem fünfjährigen Pharmaziestudium – reicht dir nach einem kurzen Gespräch das Benötigte.

Das ist keine Ineffizienz. Die deutsche Apothekenpraxis ist gründlich, beratungsorientiert und wirklich hilfreich – erfordert aber, dass du auf Deutsch erklärst, was du brauchst. Das folgende Vokabular deckt beide Seiten des Tresens ab: was du sagen musst und was die Etiketten zurücksagen.

Das ist die einsprachige Fassung: Jeder Begriff wird auf Deutsch erklärt, ohne Übersetzung – gedacht für Deutschlernende ab etwa B1. Wenn Deutsch deine Muttersprache ist, findest du denselben Artikel als Sprachpaar auf Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch.

Die Grundlagen

Apotheke – das Fachgeschäft, das Medikamente abgibt und dazu berät, erkennbar am roten großen A (Apotheken-A). Kein Drogeriemarkt und kein Supermarkt: Was du anderswo selbst aus dem Regal nimmst, liegt hier hinter dem Tresen. Für rezeptfreie Medikamente (nicht verschreibungspflichtig) fragst du direkt nach; für rezeptpflichtige Medikamente (verschreibungspflichtig) brauchst du ein Rezept.

Apotheker/in – wer die Medikamente abgibt und dich dazu berät. Der Beruf setzt fünf Jahre Pharmaziestudium und ein Staatsexamen voraus; was am Tresen passiert, ist deshalb Fachberatung und kein Verkaufsgespräch. Die Schrägstrichform steht auf Schildern und Formularen – gesprochen sagst du „die Apothekerin" oder „der Apotheker". Nicht mit der Apotheke, dem Geschäft, verwechseln.

Rezept – die schriftliche Verordnung des Arztes, ohne die du bestimmte Medikamente nicht bekommst. Achtung, dasselbe Wort bedeutet auch Kochrezept; im Gesundheitszusammenhang ist immer die Verordnung gemeint. Zwei Arten:

Selbstzahler – jemand, der selbst zahlt, ohne Versicherungsabdeckung.

Zuzahlung – der feste Eigenanteil, den gesetzlich Versicherte pro Packung selbst tragen: zehn Prozent des Preises, mindestens fünf und höchstens zehn Euro. Das „zu-" heißt wörtlich, dass du etwas hinzuzahlst, obwohl die Kasse den Rest übernimmt. Nicht mit der Selbstbeteiligung aus der privaten Versicherung verwechseln, die ganz anders funktioniert.

Generikum – ein Nachahmerpräparat mit demselben Wirkstoff wie das Original, aber ohne Markennamen und deutlich günstiger. Chemisch äquivalent zu einem Markenmedikament (Originalpräparat). Die Apotheke ist bei gesetzlich Versicherten oft verpflichtet, das günstigste Äquivalent abzugeben, sofern der Arzt auf dem Rezept keine „aut idem"-Ausschlussmarkierung gesetzt hat. Plural: die Generika. Wundere dich also nicht, wenn die Packung anders heißt als das, was der Arzt gesagt hat – entscheidend ist der Wirkstoff auf der Schachtel.

Was man sagt

Rechne damit, dass du nicht einfach ein Produkt bekommst, sondern ein kurzes Gespräch führst. Die Rückfragen sind fast immer dieselben: „Für wen ist es?", „Nehmen Sie noch andere Medikamente?", „Kennen Sie das Präparat schon?" und bei Kindern „Wie alt ist das Kind, und wie viel wiegt es?"

Ich habe ein Rezept. – der Satz, mit dem du das Gespräch eröffnest, wenn du eine Verordnung dabeihast; danach legst du sie einfach auf den Tresen. Meist ist es inzwischen ein E-Rezept: Dann sagst du „Ich habe ein E-Rezept" und reichst deine Versichertenkarte über den Tresen, ein Papier gibt es nicht.

Haben Sie etwas gegen...? – die häufigste und höflichste Formel, wenn du kein bestimmtes Produkt suchst, sondern eine Lösung. Du nennst das Symptom, nicht das Medikament, und lässt dir etwas vorschlagen. Nach „gegen" steht der Akkusativ.

Ich suche etwas für... – die Variante zu „gegen", wenn es nicht um ein Symptom geht, sondern um einen Zweck oder eine Person: etwas für die Reiseapotheke, etwas für mein Kind. Nach „für" steht ebenfalls der Akkusativ.

Ich habe eine Erkältung. – der Sammelbegriff für Schnupfen, Husten und Halsschmerzen zusammen. Verwechsle es nicht mit „Grippe": Die Grippe (Influenza) ist eine echte Erkrankung mit hohem Fieber, und dieser Unterschied wird im Deutschen genauer gemacht als in vielen anderen Sprachen. Als Zustand auch: „Ich bin erkältet."

Ich bin schwanger / stille gerade. – zwei Angaben, die die Auswahl stark einschränken; „stillen" heißt, ein Kind mit Muttermilch zu ernähren. Beides beeinflusst, welche Medikamente sicher sind – immer erwähnen, auch bei rezeptfreien Mitteln und auch ungefragt.

Ich nehme bereits [Medikament]. – „bereits" ist das schriftsprachliche „schon" und passt hier genau. Wechselwirkungen sind das Spezialgebiet der Apotheker – andere Medikamente immer erwähnen, auch die Pille, Blutdrucktabletten und Nahrungsergänzung. Die Frage kommt sonst ohnehin.

Ich bin allergisch gegen [Stoff]. – „allergisch gegen" steht mit Akkusativ, nie mit „auf". Häufig genannt werden Penicillin, Acetylsalicylsäure, Laktose und Jod. Es ist dasselbe „gegen" wie in „etwas gegen Kopfschmerzen", hier nur umgekehrt gemeint.

Etiketten lesen

Deutsche Medikamentenetiketten sind dicht beschriftet. Hier ist, was die wichtigsten Begriffe bedeuten:

Dosierung – die Angabe, wie viel du wovon nimmst und wie oft. Auf Rezepten und Medikamentenplänen steht sie als Zahlenreihe wie „1-0-1": morgens eine, mittags keine, abends eine. Dieses Dreierschema solltest du kennen, es begegnet dir überall.

Einnahme – das Schlucken oder Anwenden selbst, also der Vorgang. Das Verb dazu ist „einnehmen" und gilt für alles, was in den Körper geht; „nehmen" allein steht so nie auf einem Etikett. Achte auf diese Zusätze:

Tablette – die feste, gepresste Form zum Schlucken. Achte auf die Bruchrille: Nur wenn die Packung „teilbar" sagt, darfst du sie halbieren.

Kapsel – eine Hülle aus Gelatine mit Pulver oder Flüssigkeit darin. Nicht öffnen und nicht kauen, sonst wird der Wirkstoff zu schnell frei.

Zäpfchen – die kegelförmige Form, die in den Darm eingeführt wird. Verkleinerung von „Zapfen". In Deutschland völlig gewöhnlich, besonders bei Kindern und bei Erbrechen – am Tresen findet das niemand ungewöhnlich.

Tropfen – flüssige Form, die gezählt statt gemessen wird: „20 Tropfen in etwas Wasser". Meist im Plural und häufig als Kompositum: Augentropfen, Nasentropfen.

Salbe – fettige, dichte Masse für die Haut. Sie zieht langsam ein und bleibt lange an der Stelle, deshalb eignet sie sich für kleine, trockene Bereiche.

Creme – leichter als eine Salbe, mit Wasseranteil, zieht schnell ein. Der Unterschied ist keine Marketingfrage: Salbe bei trockener Haut, Creme für größere Flächen. Auf Deutsch weiblich – die Creme.

Spray – Flüssigkeit, die zerstäubt wird, für Nase, Hals oder Haut. Dosiert wird in Sprühstößen: „zwei Sprühstöße pro Nasenloch". Bei Nasenspray gilt fast immer eine Grenze von etwa einer Woche, sonst gewöhnt sich die Nase daran.

Sirup – dickflüssige, gesüßte Form zum Einnehmen, meist für Kinder und bei Husten. Dosiert wird mit dem Messbecher oder Messlöffel aus der Packung, nie mit dem Teelöffel aus der Küche.

Tagesdosis – die Gesamtmenge für einen ganzen Tag, nicht die Menge pro Einnahme. Kompositum aus Tag und Dosis – und genau diese Unterscheidung wird am häufigsten falsch verstanden.

Maximale Tagesdosis – die Obergrenze für 24 Stunden, die auch bei starken Schmerzen gilt. Bei rezeptfreiem Ibuprofen sind das zum Beispiel 1200 mg, also drei Tabletten mit je 400 mg. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Grenze.

Nicht überschreiten – über diese Menge darfst du nicht hinausgehen, unter keinen Umständen. „Überschreiten" heißt wörtlich, über eine Linie zu treten. Anweisungen stehen auf deutschen Etiketten im Infinitiv, das klingt sachlich und gilt für alle.

Packungsbeilage – der dünn gefaltete Zettel im Inneren der Schachtel. Enthält die vollständige Liste der Inhaltsstoffe, Gegenanzeigen und Nebenwirkungen. Umgangssprachlich „der Beipackzettel", und dieses Wort hörst du im Gespräch weit häufiger als das offizielle. Umfangreich zu lesen, aber der Begriff ist wichtig zu kennen.

Nebenwirkungen – unerwünschte Wirkungen neben der gewollten. Der Zettel ordnet sie nach Häufigkeit: „sehr häufig" heißt mehr als einer von zehn, „sehr selten" weniger als einer von 10.000. Den Werbesatz „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" kennt in Deutschland jeder auswendig.

Wechselwirkungen – was passiert, wenn zwei Mittel sich gegenseitig beeinflussen, eines das andere also verstärkt oder abschwächt. „Wechsel" plus „Wirkung" heißt wörtlich: Wirkung in beide Richtungen. Genau deshalb wird am Tresen nach anderen Medikamenten gefragt.

Gegenanzeigen / Kontraindikationen – Umstände, unter denen du das Mittel nicht nehmen darfst: Schwangerschaft, bestimmte Vorerkrankungen, ein zu niedriges Alter. „Gegenanzeige" ist das deutsche Wort, „Kontraindikation" das lateinische aus der Fachsprache; auf der Packungsbeilage steht meist das deutsche.

Haltbarkeitsdatum – der Zeitpunkt, bis zu dem das Mittel zuverlässig wirkt und sicher ist. Auch Verfallsdatum, auf der Schachtel abgekürzt als „verw. bis". Danach gehört die Packung zurück in die Apotheke, nicht in den Abfluss. Bei geöffneten Augentropfen und Säften gilt zusätzlich eine kürzere Frist nach dem Anbruch.

Kühl lagern – aufbewahren bei 2 bis 8 Grad, also im Kühlschrank, aber nicht im Gefrierfach. „Lagern" ist das Etikettenwort für Aufbewahren. Steht dort dagegen „nicht über 25 Grad", reicht ein Schrank, in den keine Sonne fällt.

Nicht einfrieren – das Mittel darf nicht gefrieren, weil Frost den Wirkstoff zerstört; typisch bei Insulin und Impfstoffen. Wieder der Infinitiv als Anweisung, und die übliche Ergänzung zu „kühl lagern".

Von Kindern fernhalten – außer Reichweite von Kindern aufbewahren. Im Amtsdeutsch der Packung lautet derselbe Hinweis „Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren" – wenn du eine der beiden Formeln kennst, erkennst du die andere.

Verschreibungspflichtig – nur mit Rezept erhältlich, weil ein Arzt über den Einsatz entscheiden muss. Die Endung „-pflichtig" heißt immer, dass eine Pflicht besteht. Im Gespräch sagen alle „rezeptpflichtig", auf der Packung steht die lange Form. Hoffe hier nicht auf einen freien Kauf ohne Rezept: Die Apotheke darf nicht, auch wenn sie will.

Rezeptfrei – ohne Rezept zu bekommen, aber weiterhin nach Beratung am Tresen. Das Gegenstück zu verschreibungspflichtig. Die Endung „-frei" heißt „ohne" und arbeitet überall gleich: zuckerfrei, kostenfrei, rezeptfrei. Vorsicht, rezeptfrei bedeutet nicht frei im Supermarkt erhältlich – dafür siehe apothekenpflichtig.

Apothekenpflichtig – nur in der Apotheke erhältlich (nicht im Supermarkt), aber ohne Rezept.

Praktische Hinweise

Viele Medikamente, die in anderen Ländern frei erhältlich sind, benötigen in Deutschland ein Rezept. Das gilt für bestimmte Schlafmittel, hochdosiertes Ibuprofen und spezifische Antibiotika. Geh nicht davon aus, dass das, was anderswo im Regal stand, hier genauso erhältlich ist.

Deutsche Apotheken haben einen Notdienst – einen Bereitschaftsdienst außerhalb der Öffnungszeiten. Wenn du außerhalb der regulären Öffnungszeiten Medikamente brauchst, findest du die diensthabende Apotheke (Notdienstapotheke) in der Umgebung über apothekennotdienst.de oder über den Aushang an der Tür jeder geschlossenen Apotheke.

Medizinisches Vokabular ist am nützlichsten, wenn du es aufgebaut hast, bevor du krank bist. Die Apotheke gehört zu den häufigsten medizinischen Begegnungen des Expat-Lebens – früh auf die Vokabelliste setzen.


Ein deutsches Medikamentenetikett lesen sollte kein Wörterbuch erfordern. Vokabulo hilft dir, das nötige Medizinvokabular aufzubauen – auf Deutsch und in über 100 weiteren Sprachen. Für iPhone und iPad erhältlich.