Es gibt eine besondere Art von Hilflosigkeit darin, genau zu wissen, was mit dir nicht stimmt – und es der Person gegenüber nicht in ihrer Sprache sagen zu können.
Du hast diesen Schmerz seit drei Tagen. Er ist im rechten Unterbauch. Schlimmer beim Bewegen, etwas besser im Liegen. Das weißt du. In deiner Muttersprache könntest du es präzise beschreiben. Aber dein Deutsch besteht aus „Ich habe Schmerzen" und einer ungefähren Zeigegeste zur Körpermitte.
Dieser Artikel soll das ändern. Nicht erschöpfend – ein vollständiges medizinisches Deutsch-Vokabular würde ein Lehrbuch füllen – aber praktisch. Die folgenden Wörter decken die Gespräche ab, die Expats tatsächlich in deutschen Arztpraxen, Apotheken und Notaufnahmen führen.
Das ist die einsprachige Fassung: Jeder Begriff wird auf Deutsch erklärt, ohne Übersetzung – gedacht für Deutschlernende ab etwa B1. Wenn Deutsch deine Muttersprache ist, findest du denselben Artikel als Sprachpaar auf Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch.
Die Kernfrage
Was sind Ihre Beschwerden? – die Standardfrage am Anfang fast jedes Termins. „Beschwerden" ist hier der Sammelbegriff für alles, was dir fehlt: Schmerzen, Symptome, Einschränkungen. Alles Weitere in diesem Artikel ist Vorbereitung auf deine Antwort.
Körperstellen
Kombiniere jedes Schmerzwort mit einem dieser Ausdrücke:
im Bauch / im Unterleib – der Bauch ist der ganze Bereich zwischen Brust und Hüfte; der Unterleib nur dessen unterer Teil.
im Rücken / im unteren Rücken – der untere Rücken liegt auf Höhe der Lendenwirbel, etwa dort, wo ein Gürtel sitzt.
in der Brust – der Bereich über dem Bauch, in dem Herz und Lunge liegen. Achtung: Brustschmerzen nimmt jede Praxis sofort ernst, sag sie also deutlich.
im Hals / in der Kehle – innen, spürbar beim Schlucken und Sprechen.
im Nacken – außen, die Rückseite des Halses. Nicht mit „Hals" verwechseln: Halsschmerzen sind innen, Nackenschmerzen außen.
im Kopf – üblicher ist das eigene Wort: „Ich habe Kopfschmerzen" sagt man häufiger als „Ich habe Schmerzen im Kopf".
im Ohr – ebenso: „Ich habe Ohrenschmerzen" ist die natürliche Form.
im Knie / in der Schulter / im Ellbogen / im Handgelenk – die vier Gelenke, nach denen am häufigsten gefragt wird. Das Handgelenk verbindet Hand und Arm, der Ellbogen Ober- und Unterarm.
auf der rechten Seite / auf der linken Seite – immer von dir aus gesehen, nicht vom Arzt aus. Zeige zur Sicherheit mit.
im rechten Oberbauch / im linken Unterbauch – Ober- und Unterbauch teilen den Bauch waagerecht. Zusammen mit rechts und links ergibt das die vier Felder, die Ärzte beim Abtasten durchgehen.
hier – wenn dir das Wort fehlt: zeigen und „hier" sagen. Das ist völlig akzeptabel und oft genauer als jede Beschreibung.
Es strahlt aus nach ... – der Schmerz beginnt an einer Stelle, ist aber auch woanders zu spüren: „Es strahlt in den Rücken aus." Ein Detail, nach dem fast immer gefragt wird.
Art des Schmerzes
Schmerzen – das allgemeine Wort, im Deutschen meist im Plural: „Ich habe Schmerzen." Den Singular benutzt man vor allem mit Adjektiv: „ein stechender Schmerz".
stechend – kurz und spitz, wie mit einer Nadel.
dumpf – nicht scharf, sondern breit und schwer, oft dauerhaft im Hintergrund.
brennend – wie Hitze, typisch auf der Haut oder im Magen.
drückend – wie ein Gewicht, das auf der Stelle liegt, oder ein Band, das zusammenzieht.
ziehend – der Schmerz verläuft wie eine Linie durch den Körper, typisch bei Muskeln und Nerven.
pulsierend – im Rhythmus des Herzschlags, kommt in Wellen. Typisch bei Migräne.
krampfartig – in Schüben, dazwischen fast schmerzfrei. Typisch bei Magen und Unterleib.
intermittierend – das Fachwort für „kommt und geht". Ärzte benutzen es, du kannst im Gespräch bei „Es kommt und geht" bleiben.
anhaltend – hört nicht auf, über Stunden oder Tage gleich stark.
unerträglich – so stark, dass du es nicht aushalten kannst. Ein sehr starkes Wort – benutze es nur, wenn es zutrifft, dann wird es ernst genommen.
leicht / mittelstark / stark – die drei Stufen, nach denen gefragt wird. Alternativ die Skala von eins bis zehn: „Etwa eine sieben."
Zeitliche Angaben
Seit gestern / seit vorgestern – „vorgestern" ist der Tag vor gestern. Für die Zukunft gilt entsprechend „übermorgen".
Seit [Zahl] Tagen / Wochen – nach „seit" steht der Dativ, deshalb die Endung: seit drei Tagen, seit zwei Wochen.
Es fing an am ... – für Datum oder Wochentag: „Es fing am Montag an." Beachte, dass sich „anfangen" trennt und die Vorsilbe ans Satzende rutscht.
Plötzlich – von einem Moment auf den anderen, ohne Vorwarnung.
Allmählich – langsam, über Tage hinweg stärker geworden.
Es wird schlimmer – die Tendenz geht nach oben, es nimmt zu.
Es wird besser – die Tendenz geht nach unten, es nimmt ab.
Es bleibt gleich – unverändert seit dem ersten Tag, weder stärker noch schwächer.
Es kommt und geht – phasenweise da, dazwischen ganz weg.
Besonders schlimm morgens / nachts – die Tageszeit, zu der es am stärksten ist. Ärzte fragen das gezielt, weil es die Ursache eingrenzt.
Was es besser oder schlechter macht
Es ist schlimmer, wenn ich ... – nach „wenn" folgt ein Nebensatz, das Verb steht am Ende: „Es ist schlimmer, wenn ich mich bewege."
- ... mich bewege / gehe / stehe – „sich bewegen" ist reflexiv, das „mich" gehört dazu.
- ... tief einatme – ein wichtiger Hinweis: Atemabhängige Schmerzen deuten auf Lunge oder Rippen.
- ... esse – beim Essen oder kurz danach.
- ... den Arm hebe – „heben" heißt nach oben bewegen; die Frage kommt bei Schulterproblemen.
Es ist besser, wenn ich ... – dieselbe Struktur, umgekehrte Aussage.
- ... mich hinlege – flach liegen, meist auf dem Rücken.
- ... mich nicht bewege – Ruhe hilft, Bewegung nicht.
- ... mich nach vorne beuge – den Oberkörper nach vorn bringen.
- ... esse – Essen lindert es. Typisch bei Magenbeschwerden und darum eine aussagekräftige Angabe.
Häufige Symptome jenseits des Schmerzes
Fieber – Körpertemperatur über 38 Grad. „Ich habe Fieber" oder „Ich bin fiebrig." Mit Wert: „Ich hatte 38,5." Im Deutschen steht dabei ein Komma, kein Punkt.
Schüttelfrost – du zitterst und frierst, obwohl es nicht kalt ist. Kommt fast immer zusammen mit Fieber.
Übelkeit – das Gefühl, dass dir schlecht wird. Als Satz: „Mir ist übel." Mit Dativ, nicht „Ich bin übel".
Erbrechen – der Mageninhalt kommt heraus. Im Gespräch üblicher: „Ich habe mich übergeben."
Durchfall – flüssiger Stuhl, mehrmals am Tag. Ärzte fragen nach der Häufigkeit.
Verstopfung – das Gegenteil: seit Tagen kein Stuhlgang.
Schwindel – das Gefühl, dass sich alles dreht oder der Boden schwankt. Als Satz: „Mir ist schwindelig."
Ohnmachtsanfall – du wirst für kurze Zeit bewusstlos. Im Gespräch: „Ich bin ohnmächtig geworden."
Kurzatmigkeit / Atemnot – du bekommst nicht genug Luft. „Atemnot" ist das stärkere Wort und beschreibt einen akuten Zustand.
Herzklopfen / Herzrasen – beim Herzklopfen spürst du den eigenen Herzschlag deutlich; beim Herzrasen ist er außerdem viel zu schnell.
Taubheitsgefühl – die Stelle fühlt nichts mehr, wie ein eingeschlafener Fuß.
Kribbeln – wie kleine Nadeln oder Ameisen auf der Haut. Umgangssprachlich auch „Ameisenlaufen".
Ausschlag / Hautausschlag – rote, oft juckende Flecken oder Pusteln auf der Haut.
Juckreiz – der Drang, sich zu kratzen. Als Verb einfacher: „Es juckt."
Schwellung – die Stelle ist dicker als normal. Als Verb: „Es ist geschwollen."
Schwäche / Erschöpfung – Schwäche heißt fehlende Kraft; Erschöpfung ist eine tiefe Müdigkeit, die auch nach dem Schlafen bleibt.
Schlaflosigkeit – du kannst nicht einschlafen oder wachst nachts immer wieder auf.
Gewichtsverlust – du hast abgenommen, ohne es zu wollen. Nenne dabei Kilo und Zeitraum, danach wird gefragt.
Blut im Urin / im Stuhl – „Urin" und „Stuhl" sind die medizinischen Wörter, und sie werden in der Praxis genau so benutzt. Umschreibungen sind nicht nötig, dieses Symptom nennst du am besten direkt und zuerst.
Die wichtigsten Sätze
„Der Schmerz begann vor [X] Tagen und wird schlimmer."
„Es ist ein stechender Schmerz auf der rechten Seite, der bis in den Rücken ausstrahlt."
„Ich habe kein Fieber, aber ich fühle mich sehr schwach."
„Ich habe heute Morgen einmal erbrochen."
„Ich nehme regelmäßig [Medikament] für [Erkrankung]."
„Ich bin allergisch gegen Penicillin / Latex / [Stoff]."
„Ich bin in der [X]. Schwangerschaftswoche."
„Können Sie das bitte aufschreiben?"
Eine Anmerkung zur deutschen medizinischen Direktheit
Deutsche Ärzte sind in der Regel direkt und präzise. Sie stellen spezifische Fragen und erwarten spezifische Antworten. Vage Beschreibungen wie „Ich fühle mich irgendwie komisch" oder „irgendetwas stimmt nicht" führen zu Nachfragen, bis die Symptome eingegrenzt sind. Je präziser du mit dem obigen Vokabular sein kannst, desto schneller und produktiver wird der Termin.
Das Deutsch-Vokabular für den Alltag entsteht aus den Situationen, denen du regelmäßig begegnest. Dieses Vokabular ist anders – du brauchst es vielleicht nur einige Male im Jahr. Aber dann brauchst du es wirklich. Baue das Medizinvokabular vor dem Termin auf – nicht während.
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